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Sonntag, 27. August 2006

Vorauseilende Kapitulation

Im Herbst 2005 kam die Zeitschrift "HEEB - The New Jew Review" mit einer "Sex Issue" auf den Markt. HEEB erscheint vierteljährlich in New York, im Impressum des Magazins stehen Namen wie Maxwell, Honikman, Baruchowitz, Feinstein, Schwartzman, Liebman und Deutsch. Lauter Juden (und Jüdinnen) der jüngeren Generation, die nicht religiös, dafür aber sehr bewusst "jüdisch" in der säkularen Bedeutung des Wortes sind. HEEB artikuliert diese Haltung, indem es das Jüdische betont, zugleich aber ständig ironisiert. Ein Artikel ("Bigmouth Strikes Again") geht der Frage nach, ob jüdische Frauen deswegen von Natur aus großmäulig sind, damit sie "blow jobs" besser applizieren können. Die Autorin des Beitrags bringt auch ihre eigenen Erfahrungen ein: "The first time I tasted semen it reminded me slightly of my grandmother's chicken soup - opaque, salty and slightly chunky." Die Hühnersuppe ist fester Bestandteil der jüdischen Folklore; unabhängig davon, um welches Thema es geht, kommt man beziehungsweise frau immer auf das "jüdische Penicillin" zu sprechen. Der Beitrag wird mit einem Comic illustriert: "The Hebrew Hummer: An Oral History". Im ersten Bild sieht man Adam und Eva unter einem Baum stehen. Adam zeigt auf sein Feigenblatt und sagt zu Eva: "You like serpents so much, why don't you give mine a kiss?" Dann geht es über Maimonides, Sabbatai Zwi und Rosa Luxemburg in die Gegenwart: Im Zuge der Revitalisierung alter Rituale wird auch der "blow job" zur "geheiligten Kunst jüdischer Weiblichkeit" erhoben.
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Der nette Herr Dschihad

Wenn man vom dreißigsten Stock des Mediaparkhochhauses, vom Restaurant "Osman 30" aus auf Köln-Ehrenfeld hinunterschaut, erkennt man unser beider Häuser, nur durch zwei kleine Straßen getrennt. So friedlich sieht das aus. Vielleicht standen wir mal zusammen an der Ampel oder saßen uns in der Straßenbahn gegenüber. Der Kioskbesitzer erinnert sich nicht: "So viele Araber", sagt er lachend. Dschihad sah aus wie alle. Man kann nicht alle verdächtigen. Und wer kann schon etwas für seinen Vornamen?
Tja, man könnte sich ja auch Gedanken machen... Wer auf den Namen Dschihad getauft wird, hat auch einem Zweck zu dienen, nicht? Man muss sich nur etwas umsehen, zum Beispiel die Kindersendungen von Al Arab & Co...
Selbst Walraff, gewiss kein Feind der Muslime, ruft zu erhöhter Wachsamkeit auf. Wallraff hat auch Erfahrungen mit dogmatischen türkischen Gemeinden gemacht, in denen die Verurteilung Rushdies auf einhellige Zustimmung stieß. Seitdem ruft er zu erhöhter Wachsamkeit auf, dazu, gerade auch über religiöse Fragen mit den Nachbarn zu diskutieren, hinzusehen, hinzuhören. Er schaut sich um, wie sich die Moscheen entwickeln, was in den Buchläden so in der Auslage sieht. Es ist, als misstraue er der selbstgeschaffenen Idylle.

Auf Katrina folgt Ernesto

Der erste Hurrikan dieses Jahres hat am Sonntag Kurs auf Haiti genommen. Mit Windgeschwindigkeiten bis zu 121 Kilometer pro Stunde wurde "Ernesto" vom Tropensturm zum Hurrikan der Stärke 1 hochgestuft, wie das Hurrikanzentrum in Miami erklärte. Jamaika, die Cayman-Inseln und Kuba gaben Hurrikanwarnungen heraus. Die Behörden in Haiti forderten die Einwohner von Elendsvierteln an der Südküste auf, in Schulen und Kirchen Schutz zu suchen.
"Ernesto" nehme südlich von Haiti an Stärke zu, erklärte das nationale Hurrikanzentrum. Meteorologen warnten, sobald der Sturm den Golf von Mexiko mit seinen warmen Gewässern erreiche, werde er wohl an Kraft gewinnen. In dem Gebiet liegen rund ein Viertel der Öl- und Erdgasförderanlagen der USA, was den Ölpreis bereits am Freitag in die Höhe trieb.
29. August 2005, traf Hurrikan "Katrina" auf den US-Bundesstaat Louisiana und zerstörte unter anderem große Teile von New Orleans. Insgesamt starben dabei an der Golfküste rund 1500 Menschen. Auch "Katrina" war ein Hurrikan der Kategorie drei. Der Ölkonzern BP zieht wegen "Ernesto" ein Drittel seiner Arbeiter aus dem Golf von Mexiko ab.
Agenturmeldungen

Ahmadinejads Antisemitismus an der Buchmesse

Im Sommer 2005 wurde Mahmud Ahmadinejad zum iranischen Präsidenten gewählt. Im Herbst 2005 war der Iran in Halle 5 der Frankfurter Buchmesse vertreten - und wie er vertreten war. Schon damals war bekannt, dass der Iran die Existenz eines Mitgliedsstaats der Vereinten Nationen, Israels, auslöschen will, und dass Teheran zu diesem Zweck einen kruden Antisemitismus in alle Welt exportiert. Überraschend aber war, dass Iran das alles während der Frankfurter Buchmesse offen und ungerügt tun konnte. Nein, da ist nicht die Rede von iranischer Literatur, da ist die Rede von antisemitischen Schriften europäischer und amerikanischer Herkunft, Heftchen und Broschüren, die in Europa und den USA schon längst aus allen Regalen verschwunden sind, und die der iranische Staat in z.B. englischer Sprache neu aufgelegt hat. Unter der Überschrift "Jewish Conspiracy" wurde der Text angeboten, der Hitlers Antisemitismus wie kein anderes Werk beeinflusste: Die "Protokolle der Weisen von Zion", herausgegeben von der "Islamic Propagation Organization" der "Islamic Republic of Iran".
Da wird inform einer Schlange aus Dreiecken eine "Map of Greater Israel" vorgestellt. Jedes einzelne Dreieck, so heisst es in den Erläuterungen, symbolisiere das "Freemasony Eye", das Auge der Freimaurer, das nur ein anderes "Symbol of Jewry" sei.
Dass das "International Relations Department" des Iran auch den Zweck der Veröffentlichkeit erklärt, liegt auf der Hand. Man wolle "das wirkliche Antlitz des satanischen Feindes offen legen" und alle Moslems wachrütteln. Der Zionismus, das Judentum sei "ein tödlicher Krebstumor", der vollständig zu vernichten sei. Unter Rückgriff auf ein Zitat von Khomeini wurde die Tötung der Israelis propagiert.
Auch Henry Fords "The International Jew. The World’s Formost Problem" wird zum Kauf angeboten. "In the name of Allahm the Beneficent, the Merciful", - alles im Namen und unter den Insignien der "Islamic Republic of Iran".
Hm, ich frage mich, wie das zu den Aussprüchen Jürgen Boos, dem Macher der Frankfurter Buchmesse, passt "Wir bewegen uns in einer langen Tradition - in einer Tradition ständiger Veränderung. Die Frankfurter Buchmesse ist eine Veranstaltung zwischen Event, Wirtschaftsereignis und Eintritt für die Menschenrechte." und vor allem: Wird er seinen Segen die Juden schmähenden Schriften des Iranischen Staates auch im Jahr 2006 erteilen?

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Kein eigener Artstatus für Hobbits

copyright by Peter BrownVor kurzer Zeit noch wollten Wissenschafter aus den Hobbits, das sind die Flores-Menschen, eine eigene Menschenart machen. Doch jetzt werden frühere Untersuchungen in Frage gestellt.
Das Gehirn des vor etwa 18 000 Jahren verstorbenen Exemplares "LB1" könnte, anders als zuvor behauptet, durchaus einem verzwergten, an Mikrozephalie leidenden Homo sapiens gehört haben, so die Wissenschaftler um Jochen Weber vom Schweinfurter Leopoldina-Krankenhaus und Kollegen von der Universität Tübingen. Das Hirn von LB1 falle nach ihrer Einschätzung durchaus noch in die große Bandbreite von Formen, die bei Mikrozephalie von Homo sapiens auftreten können. Das LB1-Gehirnvolumen von 417 Kubikzentimetern liege sogar nahe des Mittelwertes, der bei Mikrozephali von Homo sapiens auftritt. Eine dreidimensionale Rekonstruktion des Gehirns eines der mikrozephalen Schädel ähnele in Form, Größe und Ausprägungen deutlich der im Sommer publizierten Rekonstruktion des LB1-Gehirns. Zusammengefasst könne nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass das Homo-floresiensis-Exemplar LB1 tatsächlich ein krankhaft kleinköpfiger, moderner Mensch war. Notwendig sei insbesondere die Untersuchung weiterer fossiler Schädel anderer Flores-Individuen.
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Hisbollah wird salonfähig gemacht

Die Hisbollah-Miliz verbreitet Furcht und Schrecken nicht nur im Libanon, sondern auch bei den EU-Aussenministern, die, wie Siniora, eine grosse Klappe hatten und von "Entwaffnung der Hizbullah" nicht genug reden konnten.
Italiens Aussenminister Massimo D'Alema auf jeden Fall, erklärt gegenüber dem Magazin "TIME", es sei nicht die Aufgabe der UN-Truppen, die radikale Hisbollah zu vernichten [von Vernichten war auch nie die Rede] und betont, die schiitische Organisation sei "ein wichtiger Teil der libanesischen Gesellschaft".
"Wir hoffen, dass sich die Hisbollah in eine rechtmässige politische Bewegung wandelt."
Etwas verschämt fügt er hinzu: sollte sie - die Hizbullah - jedoch die Feindseligkeiten wieder aufnehmen, wisse die Gruppe die internationale Gemeinschaft gegen sich.
Um ganz schnell überzuleiten: Aufgabe der UNO-Truppe sei die Stärkung der Demokratie und der Regierung im Libanon.
Mit andern Worten, die UN-Truppen werden die Hizbullah-Miliz schützen. - Wenn das mal kein Desaster gibt.
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Warum immer er?

Ich mag seine Sprache, seine Ausdrucksweise, sein Auftreten nicht - und mit seiner Partei kann ich so wenig anfangen wie mit allen andern. Aber manchmal schätze ich seinen Mumm, dort anzupacken, wo alle andern versagen. Und Calmy-Rey als Aussenministerin im Amt zu belassen und noch zu zementieren, ist ein Versagen - ein Versagen des Parlamentes, das diese Frau gewählt hat. Sie ist nicht dumm, diese Frau, aber leider wenig vernunftbegabt, manchmal bar jeden Verstandes und ausserordentlich profilierungssüchtig.
Nicht genug, dass sie, wie die libanesische Botschafterin, die sich gegenüber Israel unversöhnlich gibt und der Hizbullah nahesteht, am 11. August gegenüber dem "Tages-Anzeiger" gesagt hat, dieselbe Sprache wie eben diese Botschafterin spricht, vertreibt sie sich die Zeit mit Initiativen, die vor Antiisraelismus und Antiamerikanismus strotzen. Wenn sie wenigstens ein Mal die Stimme gegen einen Diktator erhöbe - ein Mal nur! Doch das kann sie sich nicht leisten, sie verlöre den Rückhalt ihrer sozialistischen Reihen.
Ein einziger begehrt dagegen auf. Der grosse Haufen regt sich nicht. Und wenn die Schweiz dem Spott der Nationen nicht weiterhin ausgesetzt bleiben will, ist zu hoffen, dass es ihm gelingt. Bei aller Antipathie...

Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

In eigener Sache
wir bloggen derzeit wieder hier
anaximander - 18. Mrz, 14:27
"Inferno" 1. Kapitel
finden Sie auf secondlitart - hier.
anaximander - 18. Mrz, 12:01
Minder-Hauen auf Economiesuisse
Voll dumpfer Blödheit hauen die Medien auf Economiesuisse...
anaximander - 10. Mrz, 17:49
Herzlichen Dank
ich habe den Link korrigiert
anaximander - 10. Mrz, 09:55
Du hast hier...
aus Versehen den Artikel von der Ates verlinkt.
Belleeer - 10. Mrz, 07:44
Staatlich subventionierte...
Die Zukunft der Suppenküchen sieht rosig aus... In...
anaximander - 10. Mrz, 01:45
Die Sympathisanten Nordkoreas
Richard Herzinger hegt weder Sympathien für den...
anaximander - 9. Mrz, 23:58
Seyran Ates und die doppelte...
Seyran Ates schreibt in ihrem Essay zur doppelten Staatsbürgerschaft: "Kann. ..
anaximander - 9. Mrz, 23:53
Mob macht Jagd auf Christen...
Ausgangslage: Ein Christ soll den Propheten beleidigt...
anaximander - 9. Mrz, 19:31
Bundesrätlich verordnete...
Der Bundesrat trifft Massnahmen, um die Zahl der Organspender...
anaximander - 9. Mrz, 16:53
Ehre für Samira...
Das amerikanische Außenministerium ist, aller...
anaximander - 8. Mrz, 22:06
US-Banken lösen...
Während Widmer-Schlumpf eifrig darum bemüht...
anaximander - 7. Mrz, 16:27
Aktion: Single mit Kind...
Würden Sie einen allein stehenden Mann/eine allein...
anaximander - 6. Mrz, 18:07
Kein Stromabkommen mit...
Die Schweiz darf auf gar keinen Fall ein Stromabkommen...
anaximander - 6. Mrz, 17:57
Die Magie der Hohnstangen
Für Aldo Keel sieht es so aus, als ob in Norwegen...
anaximander - 6. Mrz, 09:09
Dieter Pfaff nachgerufen
Dieter Pfaff, besser bekannt als Bloch und "Der Dicke",...
anaximander - 6. Mrz, 09:03
Hugo Chavez ist tot
Hugo Chavez ist tot. Er hat den Kampf gegen den Krebs...
anaximander - 6. Mrz, 00:06
Yep, das ist alles
korrekt. Es ist allerdings viel schlimmer, als die...
anaximander - 6. Mrz, 00:02
.
Da scheint im Satire-Video The One About The UN (von...
hammond - 5. Mrz, 23:31
Kampfsaufen bei den Vereinten...
Wenn die Vertreter von 193 Ländern am UN-Hauptsitz...
anaximander - 5. Mrz, 21:02

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