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Mittwoch, 18. Juni 2008

EU-Geist weht in Bundesbern

Demokratie ist, wenn am Ende das herauskommt, was die Regierung vorher wollte. Das Volk darf als Akklamationsinstrument die Pläne der Obrigkeit beglaubigen. Stellen sich die Bürger dagegen, haben wir es mit «Populismus», «diffusen Ängsten» oder «Undankbarkeit» zu tun.
Das ist kein Zynismus, sondern eine wertneutrale Zusammenfassung der Deutungen und Reaktionen aus Brüssel auf das Nein der Iren zum EU-Reformvertrag.
[weiter]

Johannis-Kraut wird rezeptpflichtig

Über Jahrhunderte haben Kräuterfrauen und Homöopathen bei Depressionen auf die Wirkung von Hyperikum-Extrakten gesetzt. In fast jeder Familie ist ein Rezept vorhanden, das von Generation zu Generation weitergegeben worden ist. Doch jetzt wird alles anders. Das Johanniskraut, Hyperikum wird in Zukunft der Pharma-Industrie dienen...
Johanniskraut-Extrakte sind hochwirksame Antidepressiva und verfügen über eine ausgezeichnete Verträglichkeit auch in der Langzeittherapie. Weil dem so ist, hat das Bundesgesundheitsministerium verfügt, dass Johanniskraut-Präparate nur noch gegen Rezept abgegeben werden dürfen und unterstreicht damit die Effektivität von Johanniskrauthaltigen Arzneimitteln, die – als einzige nicht-chemisch definierte Standardtherapie – zur Behandlung von mittelschweren Depressionen zugelassen sind.
Betont wird, dass die Einnahme von Hyperikum unbedenklich ist. Die Verschreibungspflicht erfolge, weil depressive Patienten nicht in der Lage seien, ihren Krankheitszustand korrekt einzuordnen. Die Therapie gehöre in die Hand des Arztes.
Was während Jahrhunderten gut gegangen ist, kann in der heutigen Zeit nicht mehr gut gehen...
Quelle journalmed

Test

Einfluss des Lernens auf Zellteilung im Gehirn

Hirnschnitte des Hippokampus von Wüstenrennmäusen im Dunkelfeldmikroskop. Neuronale Umbauprozesse sind durch Silberfärbung als helle Körnchen dargestellt.
copyright by journalmed
Links: Starker neuronaler Umbau im Hippokampus eines Tiers, das im Gehege aufgewachsen ist. Rechts: Reduzierter neuronaler Umbau im Hippokampus eines Käfigtiers.
Hirnschnitte des Hippokampus von Wüstenrennmäusen im Dunkelfeldmikroskop. Neuronale Umbauprozesse sind durch Silberfärbung als helle Körnchen dargestellt. Links: Starker neuronaler Umbau im Hippokampus eines Tiers, das im Gehege aufgewachsen ist. Rechts: Reduzierter neuronaler Umbau im Hippokampus eines Käfigtiers. (Bild: M. Butz)

Das Gehirn ändert sich ein Leben lang. Wenn wir uns an etwas erinnern können, liegt das daran, dass das betreffende Ereignis Spuren im Gehirn hinterlassen hat. Ständig werden die Verbindungen zwischen den Zellen umorganisiert und neu entstandene Zellen in das Netzwerk integriert. Welche Rolle die Entstehung neuer Nervenzellen im Gehirn bei der Reorganisation neuronaler Strukturen spielt, hat Markus Butz vom Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience und Max Planck Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen gemeinsam mit Arjen van Ooyen aus Amsterdam und weiteren Kollegen aus Bielefeld untersucht. Die Wissenschaftler zeigten, dass zusätzliche Gehirnzellen nicht immer die Lernfähigkeit erhöhen. Zu viele neue Zellen können das Knüpfen weiterer Verbindungen im Gehirn sogar hemmen.
Viele kognitive Prozesse sind darauf angewiesen, dass das Gehirn ständig neue Zellen produziert. Wissenschaftler haben deshalb bislang angenommen, dass neue Zellen grundsätzlich die Reorganisationsfähigkeit des Gehirns und damit die Lernfähigkeit erhöhen. Dieser positive Einfluss von neuen Zellen auf die Umstrukturierung des Gehirns hat aber offenbar seine Grenzen. Wie die Wissenschaftler um Butz nun erstmals gezeigt haben, können zu viele neue Zellen die Entstehung neuer Verbindungen sogar hemmen. Das Team untersuchte den Zusammenhang zwischen Zellteilung und der Entstehung neuronaler Verknüpfungen im Hippokampus von Wüstenrennmäusen. Der Hippokampus ist für die Übermittlung von Informationen in das Langzeitgedächtnis zuständig. Er zeichnet sich dadurch aus, dass hier ein Leben lang sehr viel Zellteilung und neuronale Reorganisation stattfindet.
Wenn Wüstenrennmäuse isoliert und mit wenig Anregung großgezogen werden, entwickeln sie Verhaltensstörungen: Sie sind ängstlich und zeigen stereotypes Verhalten. Das geht einher mit anatomischen Anomalien in der Struktur des Gehirns, es werden nicht genügend neue Verbindungen geknüpft. Dieser Mangel an struktureller Reorganisation ist auf eine zu starke Zellteilung zurückzuführen. Wie die Wissenschaftler zeigten, lässt sich die strukturelle Reorganisation im Gehirn dieser Mäuse nahezu auf ein Normalmaß steigern, wenn die Zellteilung künstlich verringert wird. Welcher Mechanismus dieser Behinderung neuronaler Reorganisation durch überschüssige neuronale Zellen zu Grunde liegt, untersuchten sie im Computermodell.
Freie neuronale Kontakte sind eine Voraussetzung dafür, dass sich das neuronale Netzwerk umorganisieren kann. Neue Zellen, die gerade erst aus einer Zellteilung hervorgegangen sind, produzieren sogenannte "neurotrophe Faktoren", die solche Kontakte anziehen. Auf diese Weise werden die neuen Zellen ins Netzwerk integriert. Gibt es aber zu viele neue Zellen, werden alle vorhandenen Kontaktstellen besetzt - eine anschließende Reorganisation zwischen den bereits bestehenden Zellen wird dadurch behindert. Das führt zu einer falschen Organisation des Netzwerks. Eine solche Fehlorganisation, so spekulieren die Forscher, kann auch zu Epilepsie führen.
Originalveröffentlichung:
Butz, M., Teuchert-Noodt, G., Grafen, K., van Ooyen, A.
Inverse relationship between adult hippocampal cell proliferation and synaptic rewiring in the dentate gyrus. Hippocampus, Online-Publikation , 14. Mai 2008 - Quelle Journalmed

Schadet Blochers Nachgiebigkeit der SVP?

Wenn 20min titelt Blocher will plötzlich nicht mehr so ist das Quatsch in Reinkultur. Doch von diesen Redakteuren ist offenbar nichts Gescheiteres zu erwarten; sie lieben es, Tatsachen zu verdrehen. Der Kommentar im Blick am Abend dürfte auch nicht besser ausfallen.
Aber es lohnt sich, Blochers Aufruf gegen ein Referendum zur Personenfreizügigkeit näher anzuschauen. Es ist unbestreitbar, dass Blocher dem Wirtschaftsflügel der SVP angehört. Er weiß, dass die Schweizer Wirtschaft auf bilateralen Verträge mit der EU setzt und sich darauf verlässt, dass das Abkommen über die Personenfreizügigkeit, das kein einseitiges ist, Bestand hat.
Das Parlament ist nicht nur, aber auch, der SVP, die das Referendum gegen die Erweiterung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien hat ergreifen wollen, in den Rücken gefallen, als es beschlossen hat, den Stimmberechtigten im Falle eines Referendums an Stelle von zwei Fragen, ein Päckchen vorzulegen.
So absurd es ist: Der Parlamentsbeschluss ist ein Misstrauensvotum des Parlaments gegenüber seinen Wählern, den Stimmberechtigten. Die Stimmberechtigten werden ihm das kaum mit einem willigen Ja danken.
Es ist bereits jetzt abzuschätzen, dass, sollte das Referendum tatsächlich zustande kommen und die Frage dem Stimmbürger vorgelegt werden, ein Nein nicht auszuschließen ist - ob die SVP sich nun dahinter stellt oder nicht, ist piepegal. Das dürfte auch der Grund sein, dass Christoph Blocher bereits heute vorsorglich zum Boykott einer Abstimmung über die Personenfreizügigkeit aufruft.
Doch das ist nicht entscheidend. Die entscheidenden Faktoren sind: Teuerung, Verlangsamung des Wirtschaftswachstums und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit.
Ich wage zu bezweifeln, dass die SVP oder Blocher die Stimmberechtigten derart zu beeinflussen in der Lage sind, dass sie ein schlichtes Ja einlegen.

Christoph Blochers Ja zur Personenfreizügigkeit

Ex-Bundesrat Christoph Blocher hat die SVP Schweiz dazu aufgerufen, auf ein Referendum zur Personenfreizügigkeit zu verzichten. Eine Begründung steht noch aus.
Wir berichten...

Josef Winkler, Büchner-Preis-Träger

Er gehöre zu den Wilden, Dunklen, zu den Aufgeriebenen, schreibt Ina Hartwig, die sich von Herzen freut über den Jury-Entscheid, Josef Winkler mit dem Büchner-Preis auszuzeichnen.
Ulrich Weinzierl ist gar entzückt - ihn faszinieren Winklers Bücher. Er schreibt"Drei Romane Winklers, „Menschenkind“ (1979), „Der Ackermann aus Kärnten“ (1980) und „Muttersprache“ (1982), wurden später zur Trilogie „Das wilde Kärnten“ zusammengefasst. Das klang zwar gut, rückte den Romancier indes in die gefährliche Nähe des Regionalen, um nicht zu sagen: des Provinziellen. Das in Österreich beliebte Genre der Antiheimatliteratur kann leicht zur Zwangsjacke werden."
Tilman Krause dagegen lehnt Winkler ab. Er hat nichts übrig für dessen Tabubrüche und scheinbar noch weniger für die laute, immerwährende Klage Winklers über die lebensverhindernde katholische Kirche."Während dem Reinen bekanntlich alles rein ist, erfüllt den Wütenden alles mit Wut. Und Winkler ist ein Wütender. Unter Auferbietung oftmals abgegriffener expressionistischer Pathosformeln wird er nicht müde, das Zerstörerische von Religion anzuprangern, wo immer er es trifft."
Aus fast denselben Gründen, die Tilman Krause als Begründung seiner Ablehnung darlegt, aber begrüsst Gregor Dotzauer die Jury-Entscheidung."In ihrem Schicksal erkannte er seine eigene Homosexualität und im Katholizismus, dessen Rituale er als Ministrant jahrelang von innen kennen gelernt hatte, etwas Menschenfeindliches, von dessen Symbolen er sich doch nicht lösen konnte. Auch wo sich Winklers Werk durch offensichtliche Fiktionalisierung gegen allzu simple Lesarten wehrt, ist es zutiefst autobiografisch. Dieses Autobiografische aber ist aufgehoben in einem Kunst- und Sprachbewusstsein, das die Distanz zu einer reinen Bekenntnisliteratur gar nicht erst betonen müsste."Vom Jury-Entscheid, Winkler auszuzeichnen, alles andere als begeistert ist Hubert Spiegel."...ob sein schmales, scharf akzentuiertes literarisches Programm, das thematisch und ästhetisch tief in den siebziger Jahren verwurzelt ist, wirklich zum Besten und Wichtigsten gehört, was unsere Literatur zur Zeit zu bieten hat, darf bezweifelt werden.
Den Büchnerpreis 2008 erhält ein Autor, der „auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist“: So steht es in der Begründung der Akademie. Dieser Satz ist ganz und gar richtig und nichts wäre an ihm auszusetzen, wenn er nicht das Werk des diesjährigen Büchnerpreisträgers fast schon erschöpfend erfassen und beschreiben würde."

Der diesjährige Büchner-Preis-Träger dürfte noch einiges zu reden geben. Nicht nur in den Feuilletons...

Preis für Medienfreiheit an US-Blog

Zum ersten Mal geht ein renommierter Preis für Medienfreiheit in die USA und zum ersten Mal an einen Blog. A US political blog, Talking Points Memo (TPM), was awarded Tuesday by the International Press Institute (IPI) with the "Free Media Pioneer 2008" prize, aimed at honouring individuals or organisations fighting for free and independent media.
The New York-based political blog created in 2000 that covers the United States foreign and national policies and domestic politics, has been especially critical of the US administration policy towards Iraq and North Korea.
The TPM also made its name for coverage of a US attorney scandal.
The award was handed out at the closure of a three-day IPI world congress, which bought together some 400 prominent journalists, editors and media executives.
The next IPI congress and general assembly will be held in the Finnish capital Helsinki in June 2009.
Established in 1950, the Vienna-based IPI is the oldest global network of editors, media executives and leading journalists from 128 countries. Its main goal is to defend rights of journalists and freedom of press throughout the world.

Da soll noch einer sagen, Blogs seien bedeutungslos...
Quelle

Die Wunden von Wien

«0:1, aus der Traum. Unser Team riskierte alles – aber Ballack schoss uns k. o. Ein Land im Fieber – aber die Deutschen waren zu stark. In Minute 49 war unser Sommermärchen vorbei.»
Die Zeitung ÖSTERREICH zieht nüchtern Bilanz.

«Die Wunden von Wien. Österreichs Viertelfinaltraum zerschellte deutlicher am deutschen Team, als es im Ergebnis zum Ausdruck kommt. Aus dem versprochenen Wunder von Wien wurde aber immerhin ein Versprechen für die Zukunft. Mut kann man nicht kaufen.»
Die Zeitung STANDARD aus Österreich blickt positiv voraus.

«Bilic würde auch mit einer Schülermannschaft siegen. Wir haben gelacht, als wir die Aufstellung sahen und dachten, die Uefa habe den Zettel von Bilic falsch abgeschrieben. (. . .) Wenn Fussball mit 23 Spielern gespielt würde, würden wir sicher Europameister.»
Die kroatische Zeitung VECERNJI LIST feiert ihren Trainer.

«Eine Blamage! Leo, gib uns dein Honorar zurück! Schande! Schande!»
Polens SUPER EXPRESS fordert vom Trainer eine Entschädigung.


«Die Mannschaft scheidet aus, und unsere Verbandsspitze amüsiert sich im Luxushotel. Die EM ging an ihnen genauso vorbei wie an der Mannschaft.»
Die polnische Zeitung FAKT ärgert sich über die Verantwortlichen.

Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

In eigener Sache
wir bloggen derzeit wieder hier
anaximander - 18. Mrz, 14:27
"Inferno" 1. Kapitel
finden Sie auf secondlitart - hier.
anaximander - 18. Mrz, 12:01
Minder-Hauen auf Economiesuisse
Voll dumpfer Blödheit hauen die Medien auf Economiesuisse...
anaximander - 10. Mrz, 17:49
Herzlichen Dank
ich habe den Link korrigiert
anaximander - 10. Mrz, 09:55
Du hast hier...
aus Versehen den Artikel von der Ates verlinkt.
Belleeer - 10. Mrz, 07:44
Staatlich subventionierte...
Die Zukunft der Suppenküchen sieht rosig aus... In...
anaximander - 10. Mrz, 01:45
Die Sympathisanten Nordkoreas
Richard Herzinger hegt weder Sympathien für den...
anaximander - 9. Mrz, 23:58
Seyran Ates und die doppelte...
Seyran Ates schreibt in ihrem Essay zur doppelten Staatsbürgerschaft: "Kann. ..
anaximander - 9. Mrz, 23:53
Mob macht Jagd auf Christen...
Ausgangslage: Ein Christ soll den Propheten beleidigt...
anaximander - 9. Mrz, 19:31
Bundesrätlich verordnete...
Der Bundesrat trifft Massnahmen, um die Zahl der Organspender...
anaximander - 9. Mrz, 16:53
Ehre für Samira...
Das amerikanische Außenministerium ist, aller...
anaximander - 8. Mrz, 22:06
US-Banken lösen...
Während Widmer-Schlumpf eifrig darum bemüht...
anaximander - 7. Mrz, 16:27
Aktion: Single mit Kind...
Würden Sie einen allein stehenden Mann/eine allein...
anaximander - 6. Mrz, 18:07
Kein Stromabkommen mit...
Die Schweiz darf auf gar keinen Fall ein Stromabkommen...
anaximander - 6. Mrz, 17:57
Die Magie der Hohnstangen
Für Aldo Keel sieht es so aus, als ob in Norwegen...
anaximander - 6. Mrz, 09:09
Dieter Pfaff nachgerufen
Dieter Pfaff, besser bekannt als Bloch und "Der Dicke",...
anaximander - 6. Mrz, 09:03
Hugo Chavez ist tot
Hugo Chavez ist tot. Er hat den Kampf gegen den Krebs...
anaximander - 6. Mrz, 00:06
Yep, das ist alles
korrekt. Es ist allerdings viel schlimmer, als die...
anaximander - 6. Mrz, 00:02
.
Da scheint im Satire-Video The One About The UN (von...
hammond - 5. Mrz, 23:31
Kampfsaufen bei den Vereinten...
Wenn die Vertreter von 193 Ländern am UN-Hauptsitz...
anaximander - 5. Mrz, 21:02

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