Die Pressekonzentration führt, das weiß jeder, nicht zu einer Verbesserung der Qualität der Berichterstattung oder gar zu einem vertieften Recherche-Journalismus. Das macht den kritischen Leser neugierig. Für den Sonntag ist es scheinbar das grösste, den Lesern etwas vorzulegen, was diese bereits wissen. Auf die Schnelle wurde Michael Ambühl, Calmy-Reys Mann für alles, zum Bankgeheimnis interviewt. Quintessenz: Für ihn ist
klar: die Schweiz hat eine Krise der bürgerlichen Parteien, die am Bankgeheimnis festhalten wollen. Ambühl will es über Bord werfen, denn dann ist die Schweiz endlich EU-reif. Und weil man grad beim Bankgeheimnis ist, soll jenes von Singapur bereits gefallen sein. Was zwar nicht stimmt, die Schweizer aber auf den Untergang des Finanzplatzes einstimmen soll.
Seit fast zwei Wochen macht der Skandal von Entlisberg Schlagzeilen und flugs wird eine Verteidigung für das Pflegepersonal aufgebaut. Die Täter werden zu Opfern gemacht; sie
leiden unter ihrer Arbeit und unter den gewalttätigen Patienten, von denen sie Schläge beziehen und böse Worte. - Wundern darf das keinen: viele Pflegende tun ihre Arbeit, weil sie Ende Monat einen schönen Batzen Geld bekommen. Weiter geht ihr Interesse selten.
Ach ja, von wegen "bürgerlicher Krise": Die Gewerkschaften verlieren Mitglieder am laufenden Band. Online steht der Artikel nicht zur Verfügung.
Frank A. Meyer greift TA Medien an. Ihm wäre es lieber gewesen, Ringier hätte den Markt aufgemischt und er ist davon überzeugt, dass die Qualität der Medien unter Ringier weniger gelitten hätte. Alles Boulevard - oder was? Und dass die NZZ jetzt auf Kriegsberichterstattung in Sachen EU/USA gegen die Schweiz macht, stört ihn, den Ästheten, enorm. Nachgeben,
lautet seine Devise, Bankgeheimnis sofort abschaffen.
Dass Frank A. Meyers Ringier-Verlag mit Gerüchten und Mobbing gegen Roger Schawinski
vorgeht, ist scheinbar ein Akt der Ringier-Vernunft, hat nichts mit Fertigmachen zu tun und ist nur nett gemeint.
Die Sonntagszeitung ist auch nicht besser; sie
berichtet über etwas, das noch nicht stattgefunden hat.
Die NZZ am Sonntag
hechelt hinter dem Bundesrat her, der erst in zwei Wochen entscheiden will, das aus dem Bankgeheimnis wird. Der Redakteur hat nicht das geringste Verständnis für unsere Bundesräte, die so viel Wichtigeres zu tun haben, wie zum Beispiel Filmpreise verleihen oder Geburtstagsgratulationen zu versenden...