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Mittwoch, 4. Juli 2012

Die bedeutendste Entdeckung der letzten Jahrzehnte

Ein Interview mit Sandra Kortner, die am Max-Planck-Institut für Physik in München eine Minerva-Nachwuchsforschergruppe am ATLAS-Experiment des LHC leitet und eine internationale Forschergruppe koordiniert, die mit ATLAS das Higgs-Teilchen sucht.

Würden Sie sagen, das lang gesuchte Higgs-Teilchen ist gefunden?
Kortner: Wir haben auf jeden Fall ein neues Teilchens entdeckt. Die Daten sprechen im Moment auch dafür, dass es sich um das Higgs-Teilchen handelt, wie es das Standardmodell vorhersagt. Wir müssen aber die Eigenschaften dieses Teilchens genauer messen, um dessen Identität zu klären.

Warum gibt es noch Zweifel an der Identität des Teilchens?
Kortner: Wir können das Higgs-Teilchen nicht direkt nachweisen. Es entsteht in einer Protonenkollision und zerfällt in Bruchteilen einer Sekunde in unterschiedliche Bestandteile. Die Theorie sagt nun voraus, dass ein Higgs-Teilchen auf mehrere unterschiedliche Arten zerfallen kann. Die Zerfallsraten hängen dabei von der Masse des Higgs-Teilchens ab. Diese Masse wird von der Theorie nicht eindeutig vorhergesagt. Wir haben jetzt einen ungefähren Messwert von 125 GeV bis 126 GeV, der aber mit mehr Daten noch genauer werden wird. In ATLAS haben wir bisher nur zwei von allen möglichen Zerfallskanälen mit ausreichender Statistik untersucht. Diese Resultate sprechen in der Tat dafür, dass es sich um ein Higgs-Teilchen handelt. Wir werden aber noch die anderen Zerfallsmöglichkeiten und Zerfallsraten untersuchen müssen, um die Eigenschaften genauer zu ermitteln.

Was kämen sonst noch für Teilchen in Frage?
Kortner: Es könnten noch weitere Teilchen existieren, die gewissermaßen Boten einer neuen Physik jenseits des Standardmodells sind. Hierzu zählen zum Beispiel die Teilchen der sogenannten Supersymmetrie-Theorie. So könnte es auch ein supersymmetrisches Higgs-Boson sein. Allerdings kann man mit den bisherigen Daten noch nicht sagen.

Welche Eigenschaften des Teilchens werden zukünftig gemessen?
Kortner: Neben der Masse wollen wir zum Beispiel den Spin messen. Den man sich stark vereinfacht wie die Rotation des Teilchens vorstellen kann. Das Standardmodell sagt einen Wert Null für den Spin voraus. Diese und andere Größen sind wichtig, weil sie in das Standardmodell eingehen. Deren Messung wird noch Jahre dauern.

Die Physiker kennen heute eine ganze Reihe von Elementarteilchen. Was ist das Besondere am Higgs-Teilchen?
Kortner: Das Standardmodell kennt zwei Teilchensorten: Die eine Sorte bildet die Materiebausteine, die andere vermittelt die Kräfte zwischen ihnen. Diese Teilchen haben sehr unterschiedliche Massen. Es gibt sogar masselose Teilchen, wie das Photon. Der Higgs-Mechanismus, der auch die Existenz des Higgs-Teilchens voraussagt, erklärt, wie die Teilchen zu ihrer Masse gekommen sind. Insofern ist es etwas Besonderes. Es ist das Schlüsselteilchen für das Verständnis der Materie. Allerdings erklärt der Higgs-Mechanismus nicht die Größe der jeweiligen Teilchenmasse. Er sagt nicht einmal die Masse des Higgs-Teilchens selbst vorher.

Angenommen, die Identität des Teilchens wird als Higgs bestätigt. Wie geht es dann weiter?
Kortner: Wir sind alle davon überzeugt, dass oberhalb einer bestimmten Energie eine neue Physik jenseits des Standardmodells auftreten muss. Die Theorie der Supersymmetrie ist eine solche Erweiterung. Sie würde erklären, warum es zwei unterschiedliche Teilchensorten gibt, nämlich die Fermionen mit halbzahligem und die Bosonen mit ganzzahligem Spin. Die Supersymmetrie sagt die Existenz einer ganzen Reihe noch unentdeckter Teilchen voraus. Der LHC eignet sich ausgezeichnet für die Suche nach Ihnen. Außerdem ist das leichteste vorhergesagte Supersymmetrie-Teilchen ein heißer Kandidat für die rätselhafte Dunkle Materie. Für diese Suche werden wir auch noch Jahre benötigen.

Wird diese Entdeckung, so es das Higgs-Teilchen sein wird, mit dem Physik-Nobelpreis geehrt werden?
Kortner: Ich denke schon. Allerdings glaube ich nicht, dass es an CERN oder die Kollaborationen der Experimente verliehen wird, sondern an die Begründer des Higgs-Mechanismus. Das könnte sich etwas schwieriger gestalten, da mehrere einen bedeutenden Beitrag geleistet haben: Neben Peter Higgs von der Universität in Edinburgh haben nämlich nahezu zeitgleich Robert Brout und François Englert in Brüssel sowie Carl Hagen, Gerald Guralnik, und Thomas Walther Kibble am Imperial College in London die Theorie entwickelt. Brout ist bereits gestorben, so dass noch fünf Physiker geehrt werden müssten, was mit den Statuten des Nobelkomitees nicht vereinbar ist.

Können sich denn wenigstens einige Experimentalphysiker des LHC beziehungsweise der Detektoren Hoffnung auf den Nobelpreis machen?
Kortner: Nein, man kann keine drei Personen nennen, die eine herausragende Rolle gespielt haben. Diese Entdeckung ist eine Errungenschaft einer internationalen Kollaboration, in der wirklich alle zum Erfolg beigetragen haben. Deswegen macht sich niemand von uns Hoffnungen auf den Preis. Wir sind aber in diesem Moment alle sehr stolz und überglücklich – der heutige Tag ist schon der Preis für sich allein.
Quelle journalmed

"Topographie des Terrors" - von Deutschland lernen?

Rainer Bieling schreibt über 25 Jahre Aufklärung unter dem Titel "Topographie des Terrors" zur Aufklärung über das NS-Regime, in der "beachtliche Lücken klaffen": "Was ich sonst nur aus Veranstaltungen in Hohenschönhausen kenne, geschah nun in der Topographie: Verbale Angriffe und Schmähungen aus dem Publikum, mit denen Teilnehmer ihrem Antifaschismus Gehör verschaffen, die seit 22 Jahren meine Mitbürger sind, aber weiterhin in ihrer DDR leben, die nun eine virtuelle ist, allerdings mit sehr realem Westgeld in Rentenform.
Der Auftritt der Antifaschisten im August 2011, wenige Tage nach der 50. Wiederkehr des Mauerbaus, hat seine Wirkung nicht verfehlt: Eine Veranstaltung zur Nachgeschichte des Nationalsozialismus hinter dem Eisernen Vorhang habe ich in der Topographie seither nicht erlebt. Dabei hatte der Thälmann-Abend nur dessen Vorgeschichte in Erinnerung rufen wollen, aber Vor- und Nachgeschichte sind eben doch, wie sich bei solcher Gelegenheit zeigt, nur zwei Seiten eines Kontinuums, das noch kein Ende hat."
E.S.

Netzprotest - Das letzte Hemd

Auf Facebook läuft eine Kampagne unter dem Titel "Die Regierung will dein letztes Hemd". Sie richtet sich gegen den ESM und die damit verbundenen Informationsblockaden über die Gefahren, die damit verbunden sind.

Grossrazzia im Puff

Auf die Hells Angels folgen die Puffs: Hunderte von Polizisten enterten 40 Puffs und interviewten Puffväter und Puffmütter, Zuhälter, Huren und deren Gäste. Für letztere dürfte es recht peinlich gewesen sein.

Die Alleskönner im Bundesrat

Widmer-Schlumpf bezahlt ihre Schulden bei den Sozialisten und den Gewerkschaften; sie befördert Serge Gaillard zum Finanzdirektor des Bundes. Gaillard war Leiter des Zentralsekretariats und Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, ehe er zum Leiter der Direktion für Arbeit im SECO ernannt wurde. Gaillard ist offenbar ein Alleskönner - exakt wie die Bundesräte, die uns vorgaukeln von Energieversorgung genau so viel zu verstehen, wie vom Streitlädeli, das sie bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat geführt haben. Yep, unsere Bundesräte tauschen ohne zu zögern jedes Departement gegen das bisherige ein und tun so, als verstünden sie Etwas von dem, was sie tun.

Acta von EU-Parlament abgelehnt

Die Ablehnung war zwar erwartet worden, sicher aber ist sie erst jetzt. Die EU-Abgeordneten stimmten wie erwartet mit großer Mehrheit gegen den Vertrag, der Internetpiraterie bekämpfen sollte. Damit kann er in der EU nicht in Kraft treten. Ausgehandelt hatten den Vertrag die EU-Kommission mit den Vereinigten Staaten und
neun anderen Ländern.
Damit ist die Internetzensur für einige Zeit vom Tisch.
Hier gehts zum Live-Ticker von Netzpolitik

Beschneidung ist Folter

schreibt der Schriftsteller Najem Wali in einem Essay, in dem er sich an seine eigene Beschneidung im Alter von zwölf Jahren erinnert.
Der Theologe Thomas Lentes dagegen wirbt um Verständnis für diese Sitten: "Wer dies heute leichtfertig als archaische Körperverstümmelung und Verletzung abtut, legt sich über die eigenen Kulturmarken schlicht keine Rechenschaft ab." Das Argument bleibender gesundheitlicher Nachteile oder der Traumatisierung will Lentes nicht gelten lassen: "Weil genau diese offenbar empirisch eben nicht in einer Weise nachweisbar sind, dass sie für das Verbot der religiösen Beschneidung taugen!"

Feier für die Entdeckung des Higgs-Teilchens

Physiker des Cern haben ein neues Elementarteilchen aufgespürt; sie sind noch nicht ganz sicher, meinen aber es handle sich um das Higgs- oder Gottesteilchen. Das Feld des Teilchens verleiht anderen Teilchen ihre Masse.
Hier geht es zu den Live-Videos der Pressekonferenz des Cern

Kein Anstand mehr - nirgends

Obwohl er es hasst, wenn älter Leute über die schlechten Gewohnheiten der heutigen Jugend schreiben, kann Alan Posener seine Finger nicht im Zaume halten.
E.S.

Bob Dylan in Spandau

Bob Dylan vorgestern Abend in Berlin-Spandau
Seit 1988 ist Dylan auf der "Never Ending Tour",
spielt durchschnittlich 100 Konzerte jährlich und
kam am Montag in die Zitadelle Spandau in Berlin

Bob Dylan kam, sang und zog weiter / Von Peter E. Müller


Ich kann auch nett sein / Von Rüdiger Schaper


Wo sind all die Handys hin? / Von Andreas Borcholte


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E.S.

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