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Freiheit und Verantwortung - Karikaturenstreit

Zur Zeit führen wir hier und anderswo rege Diskussionen zum Karikaturstreit. kblog hat, nachdem wir uns kurz darüber unterhalten haben, einen Artikel verfasst und ich habe eine Replik versprochen.
Inzwischen aber hat der Karikaturenstreit für jeden, der die Chronologie verfolgt hat, teils verwirrende, teils groteske Aussmasse angenommen, so dass es schwer fällt, einfach und undifferenziert von einer Beleidigung "der Angehörigen dieser Religion" zu sprechen. Gleichzeitig ist Meinungsfreiheit meines Erachtens nicht verhandelbar.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Aber, ich bin der Meinung, dass Freiheit und Verantwortung, zwei Begriffe, die untrennbar miteinander verbunden sind, einmal mehr ausserhalb der philosophischen Elfenbeintürme diskutiert werden sollten, obwohl es daran nichs zu deuteln und noch weniger zu rütteln gibt.
Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, als würde mehr oder weniger dauernd versucht, die beiden Begriffe auseinander zu dividieren - aber auch, als wäre die Untrennbarkeit dieser beiden Begriffe nur noch den wenigsten der Wenigen bekannt. Letzteres rührt daher, dass gemeinhin versucht wird, die Freiheit auszuhöhlen, d.h., jedes Detail, jeden Aspekt des Lebens bis auf einen kläglichen Rest gesetzlich zu regeln und einzuschränken.
Gesetze, welche die Freiheit regeln und regulieren, aber sind Balken, an denen man sich bestenfalls festhalten kann; Zäune, welche die Weitsicht hemmen. Daraus resultiert schlussendlich nichts anderes als Denken entlang von Gebots- und Verbotstafeln, das am Ende an einem riesigen Puffer scheitert und zerplatzt.
Wenn kblog fordert: Die Grenzen der Meinungsfreiheit müssen international diskutiert werden, antworte ich: Freiheit und Verantwortung müssen international diskutiert werden, weil es keinen Sinn macht, Meinungsfreiheit in noch engere Grenzen zu pferchen.
So weit mal...
bigberta - 20. Feb, 19:36

Wenn kblog fordert: Die Grenzen der Meinungsfreiheit müssen international diskutiert werden, antworte ich: Freiheit und Verantwortung müssen international diskutiert werden, weil es keinen Sinn macht, Meinungsfreiheit in noch engere Grenzen zu pferchen.
So weit mal...

also ich denke, da liegen wir - jeder mit unterschiedlichen Begriffen - wahrlich nicht so weit auseinander. Wenn wir uns jetzt noch über das Entgrenzte "in beiden Universen"verständigen könnten, ohne in Erbsenzählerei zu verfallen, dann hätten wir ein schönes Stück geschafft.
Gruß
BB, die ziemlich kaputt vom Dienst gekommen ist.

Nachtrag: der Link: http://bigberta.twoday.net/stories/1589418/
Sorry, war wohl doch ein wenig zu nächtlich gestern ;-)

anaximander - 20. Feb, 20:44

BB

Weisst du, BB, die Meinungsäusserungsfreiheit in der Schweiz stösst so oder schnell an ihre Grenzen. Ich bin kein euphorischer Anhänger des Schweizerischen Antirassismusgesetzes, denn ehe dieses in Kraft getreten ist, haben wir immer herausfinden können, wo sie hocken, die Rassisten und Antisemiten, und was ihre nächsten Winkelzüge sein würden. Heute ist das nicht mehr möglich: sie reden in Code, ihre Websiten sind nur noch mit Glück zu entdecken und so tauchen sie völlig unerwartet auf und schlagen alles, was sie finden können, zu Brei. Das Gesetz hat sie in den Untergrund gezwungen. Ein Gesetz vermag Menschen nicht zu bessern.
Mir ist es viel lieber, ich weiss, wer ungefähr wie denkt, dann kann ich mich drauf einstellen und entsprechend vorsorgen oder handeln.
Würde du bitte den Link zu deinem nächtlichen Beitrag in den Komment posten, damit die Leut dich finden? - Danke .-)
bigberta - 21. Feb, 00:31

Zugegeben etwas polemisch,

und ich habe ihn auch nicht unter Dein Posting von "Tal der Wölfe" gesetzt, aber ich finde, es zeigt doch das Messen mit zweierlei Maß:
http://bigberta.twoday.net/stories/1596620/

ansonsten: zu Deinem obigen Kommentar volle Zustimmung. Von mir aus könnten sie ruhig solche Filme wie Jud Süß und "der Ewige Jude" aus dem Giftschrank holen. aber das verdient eine extra Diskussion.
Gute Nacht
BB, die heute "eigentlich" früher ins Bett wollte.
kblog (Gast) - 20. Feb, 21:18

Sehr interessante...

Umkehrung, wirklich! Das ist unter anderem ein Grund, warum ich Diskussionen so liebe! Man lernt nicht nur die Meinungen, sondern auch die Sichtweisen kennen.

Das Problem ist aber, dass wir die Schranken der Meinungsfreiheit viel einfacher negierend abzugrenzen ist, als zu sagen, was erlaubt ist. Nun gut, Du hast in unserer Diskussion diesen Stein in diese Richtung geworfen. Was ich bis jetzt immer noch nicht ganz begriffen habe: Wo sollten denn Deiner Meinung nach die Grenzen der Meinungsfreiheit liegen? Soll man z.B. den Holocaust leugnen dürfen? Soll man den Nationalsozialismus propagieren dürfen? Auch das könnte prinzipiell mit der Meinugnsfreiheit verteidigt werden. Und was ist, wenn ich jemanden beschimpfe? Üble Nachrede (bewusst gegenüber Dritten über jemanden unwahre Tatsachen erzählen, die den Betroffenen herabsetzen)?

anaximander (Gast) - 20. Feb, 22:19

siehste, kblog, das ist's

Es gibt die Meinungsfreiheit, die besagt, dass ich meinen kann, was mir beliebt. Und dann gibt es die Meinungsäusserungsfreiheit und dort setzt das Gesetz (z.B. AntiRassismus, StGB) die Grenzen, d.h., ich kann zwar sagen, was ich meine, aber ich muss mich dabei an die Gesetze halten. Und als weitere Freiheit haben wir die künstlerische Freiheit, die auf ihre Weise, darunter fallen die Karikaturen, alles sagen darf. Ich mach es ungern, tu es jetzt aber doch: die Karikatur, die Moh mit der Bombe im Fez zeigt, entspricht selbst objektiv betrachtet in keiner Weise einer Verleumdung oder Ehrverletzung, so lange im Namen M's tatsächlich gemordet wird.
Logisch, dass man das ganze Leben eines Menschen gesetzlich regeln kann; wenn er sich an die Gesetze hält, wird er nie wissen, warum er was tut. Man kann aber auch ganz einfach Kants kategorischen Imperativ anwenden; er müsste in der Primarschule gelehrt werden, damit schon Kids denken - nicht einfach nur gehorchen - lernen.
Gesetze fördern die Gedankenlosigkeit und gedankenlose Menschen widerspiegeln die "Banalität des Bösen."
Zusammenfassend: die Gesetze, die wir heute haben, genügen; wir brauchen keine neuen.

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