Fusionsreaktor - Lösung oder Milliardenverschwendung?
Der Multi-Milliarden Euro teure Kernfusionsreaktor ITER wird, so berichtet BBC-Online, nun endlich in Südfrankreich nahe der Stadt Marseille errichtet. Der Deal, der heute in Paris finalisiert wird, hat neben der EU auch Südkorea, Russland, China, die USA, Indien und Japan an einem Tisch vereint. Der Reaktor soll fünf Milliarden Euro kosten. So der Voranschlag. Doch andere Quellen schätzen die Kosten auf mindestens zehn Milliarden Euro und dann soll Iter 35 Jahre lang saubere Energie liefern, so ITER-Generaldirektor Kaname Ikeda. Kritiker sind von diesem Reaktor allerdings nicht überzeugt, denn sie sehen hinter den immensen Kosten keine rasche Lösung des Energieengpasses."Jedes Jahr werden die Pläne für den Fusionsreaktor um weitere ein bis zwei Jahre nach hinten verschoben", so der Energiefachmann Hans Kronberger im Interview. Inzwischen wären selbst überzeugte Befürworter nicht in der Lage zu sagen, ob dieses Unterfangen tatsächlich jemals funktionieren werde. Das meint auch der deutsche Energieexperte Hermann Scheer in seinem neuesten Buch: "Auch für den Atomfusionsreaktor reihen sich die unerfüllten Prognosen zu einer Endloskette: Als 1955 die UN eine Atomkonferenz in Genf durchführte, wurde der erste Fusionsreaktor für 1975 avisiert. Heute, 50 Jahre später, ist der Fusionsreaktor für das Jahr 2060 angekündigt. Obwohl sich also das Zielversprechen immer weiter entfernt, fliessen die Gelder anhaltend und reichlich." Was Kronberger am meisten stört, ist die Tatsache, dass das Kernfusionsprojekt nicht in der Lage sein wird, den Energieengpass tatsächlich zu lösen. "Das ist ein absolutes Schwachsinnsprojekt, denn die Energieknappheit wird bereits vor der tatsächlichen Inbetriebnahme von ITER vorhanden sein", so Kronberger. "Wenn man die zehn Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken würde, wäre das eine sinnvolle Idee."
Der Mann checkt nicht, dass nur ein Sowohl-als-Auch eine Lösung sein kann.
Das ITER-Projekt sehe als reine Geldbeschaffung für private Zwecke aus. Zudem wären die Jubelmeldungen des Funktionierens des Systems bereits vor zehn Jahren das erste Mal über den Äther gelaufen.
"Die Kernfusion sollte dort bleiben, wo sie bestens funktioniert, nämlich in der Sonne selbst", so Kronberger abschliessend. Die Kernfusion wird von der Atomlobby als jene Technologie hochgelobt, die absolut sicher sein soll. "Das ist im Übrigen eine Legende, dass Atomfusionsreaktoren keine Umweltrisiken hätten. Während der Betriebszeit wird das Material im inneren Reaktor hoch radioaktiv, was eine sehr kostspielige Entsorgung nach sich zieht", meint Scheer. Dieses Material sei zwar im Gegensatz zu den atomaren Brennstäben der Atomspaltungsreaktoren nur etwa 100 Jahre aktiv, dafür sind jedoch die Mengen erheblich grösser. Ein weiteres Problem stelle der extrem hohe Kühlwasserbedarf für die Atomfusionsreaktoren dar.
Wie BBC berichtet, werden die Arbeiten für das Projekt in Cadarache, rund 60 Kilometer von Marseille entfernt, in der Region Provence-Alpes-Cote D'Azur, bereits Anfang 2007 beginnen. 2008 will man mit den Gebäuden und dem Besucherzentrum starten, 2009 soll dann das Kraftwerk selbst schon Form annehmen. Zuvor hatten die ITER-Parteien heftige Kontroversen über den Standort ausgefochten. Nachdem allerdings die Hälfte der fünf Mrd. Euro teuren Konstruktion aus dem EU-Topf kommt, müsse der erste Fusionsreaktor in der EU-Region errichtet werden. Für den Standort in Frankreich entschied man sich deshalb, weil hier schon heute das Tore-Supra-Kernfusionszentrum befindet.
ptat
anaximander - Di, 21.11.2006 15:02 - Kommentar verfassen
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