Die "Schule erzeugt Verlierer"
sagt der Kriminologe Pfeiffer, Deutschland wäre Europameister in der Abbrecher- und Sitzenbleiberquote. Wir haben keinen effektiven Jugendmedienschutz. Wenn schon 50 Prozent der 10-Jährigen zumindest gelegentlich mit Spielen umgehen, die erst ab 16 freigegeben sind, und ein Fünftel regelmäßig solche Spiele spielt, wenn vier Fünftel der 14- und 15-Jährigen Spiele benutzen, die für Erwachsene vorgesehen sind, dann ist etwas faul. [...] Wir gestatten zu oft, dass extreme Gewaltexzesse für Jugendliche erreichbar sind und durch die Altersfreigabe ab 16 geradezu einen Adelstitel bekommen.
Der Einfluss der Spiele ist nicht so gross, wie dieser Experte vermutet; Kids können sehr wohl zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden - viel besser, als viele Erwachsene dies können. Nur wer nicht unterscheiden kann, schiebt die Schuld am geplanten Amoklauf den Spielen in die Schuhe.
Auch in diesem Punkt vermag ich Pfeiffer nicht einfach Recht zu geben: Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsste unter der Überschrift „Lust auf Leben wecken“ stehen. Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungs- chancen. Nicht alles ist intellektuelle Welt: Wer schlecht in der Schule ist, kann als Schultorwart oder als Tischtennisspieler brillieren. Man muss die Stärken der Kinder suchen und sie an der Stelle aufbauen, wo sie Perspektiven haben.
Es gibt wohl keine Staatsschulen mehr, die den Ansprüchen von Pfeiffer zu genügen vermögen; die Klassen sind zu gross, die Anzahl nicht Deutsch Sprechender Kids und Jugendlicher ebenfalls. Es ist den Lehrern kaum möglich, auf die Talente und Begabungen einzelner Kids einzugehen; sie haben ein bestimmtes Quantum an Schulstoff zu vermitteln und die Kids müssen den Stoff begreifen. Würden die LehrerInnen nach Pfeiffers Wünschen unterrichten, würden die Schüler beim Pisa-Test noch schlechter abschneiden als sie dies ohnehin schon tun. Der Weg, den Pfeiffer dem Lehrpersonal zu weisen meint, ist nicht gangbar. Es sei denn, man nivelliere nach unten.
Pfeiffer scheint alle Fehler in Spielen und im Schulsystem zu suchen. Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sind wir auf einem falschen Kurs, weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden.
Es geht nicht an, dass die Hochbegabten oder Lernfreudigen noch mehr Rücksicht auf lernfaule oder unbegabte Schüler nehmen müssen. Wenn es halt nicht anders geht, müssen Sonderklassen für Lernfaule geschaffen werden oder Sonderklassen für Hochbegabte. Sie zusammen eine Klasse zu sperren, ist für beide Gruppen eine Qual.
[Artikel]
Der Einfluss der Spiele ist nicht so gross, wie dieser Experte vermutet; Kids können sehr wohl zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden - viel besser, als viele Erwachsene dies können. Nur wer nicht unterscheiden kann, schiebt die Schuld am geplanten Amoklauf den Spielen in die Schuhe.
Auch in diesem Punkt vermag ich Pfeiffer nicht einfach Recht zu geben: Unser Problem ist, dass unsere Schule zu sehr auf Wissensvermittlung setzt und zu wenig auf soziales Lernen. Die Nachmittagsgestaltung der Schulen müsste unter der Überschrift „Lust auf Leben wecken“ stehen. Wir vermitteln den Kindern zu wenig Möglichkeiten zum Austoben und bieten ihnen damit zu wenig Anerkennungs- chancen. Nicht alles ist intellektuelle Welt: Wer schlecht in der Schule ist, kann als Schultorwart oder als Tischtennisspieler brillieren. Man muss die Stärken der Kinder suchen und sie an der Stelle aufbauen, wo sie Perspektiven haben.
Es gibt wohl keine Staatsschulen mehr, die den Ansprüchen von Pfeiffer zu genügen vermögen; die Klassen sind zu gross, die Anzahl nicht Deutsch Sprechender Kids und Jugendlicher ebenfalls. Es ist den Lehrern kaum möglich, auf die Talente und Begabungen einzelner Kids einzugehen; sie haben ein bestimmtes Quantum an Schulstoff zu vermitteln und die Kids müssen den Stoff begreifen. Würden die LehrerInnen nach Pfeiffers Wünschen unterrichten, würden die Schüler beim Pisa-Test noch schlechter abschneiden als sie dies ohnehin schon tun. Der Weg, den Pfeiffer dem Lehrpersonal zu weisen meint, ist nicht gangbar. Es sei denn, man nivelliere nach unten.
Pfeiffer scheint alle Fehler in Spielen und im Schulsystem zu suchen. Schon bei der frühen Aufteilung der Kinder auf Hauptschule, Realschule oder Gymnasium sind wir auf einem falschen Kurs, weil die Hauptschüler zu diesem Zeitpunkt schon mitgeteilt bekommen, dass sie Verlierer sein werden.
Es geht nicht an, dass die Hochbegabten oder Lernfreudigen noch mehr Rücksicht auf lernfaule oder unbegabte Schüler nehmen müssen. Wenn es halt nicht anders geht, müssen Sonderklassen für Lernfaule geschaffen werden oder Sonderklassen für Hochbegabte. Sie zusammen eine Klasse zu sperren, ist für beide Gruppen eine Qual.
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anaximander - Di, 21.11.2006 19:45 - Kommentar verfassen
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