Geschichtsfälschung
Martin Reichert prangert die gerade jetzt in Gang gesetzte Rehabilitation alter Naz-Tätern. Günther H. Oettinger, dem man eine saftige Ohrfeige von Beate Klarsfeld wünscht, sei nicht der einzige, der zur Zeit Geschichtsfälschung betreiben wolle. Doch in einer Zeit, in der die Historisierung von Ereignissen bereits einsetzt, nachdem der Mantel der Geschichte gerade erst vorbeigeweht ist - der 11. September wurde schon als "Zäsur" eingeordnet, als die Trümmer des WTC noch rauchten -, können es viele Zeitgenossen kaum mehr abwarten, endlich ihre Kladden hervorzuholen, um aus ihren zusammengeschmierten Fakten die Geschichte so umzuschreiben, dass es passt. Klitterung ist aus Kladde abgeleitet. Es handelt sich um ein Schmierheft - dementsprechend sieht die Geschichte am Ende auch aus. Ein Marinerichter, der noch kurz vor Kriegsende Todesurteile wegen Desertion unterschrieb, wird zum Nazi-Gegner.
Patrick Bahners setzt sich mit Rolf Hochhuths Artikel in der Sueddeutschen und der Trauerrede Oettingers auseinander:"Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth hat gestern in der „Süddeutschen Zeitung“ Günther Oettinger bezichtigt, er habe eine „unverfrorene Erfindung“ in die Welt gesetzt, indem er sagte, es gebe „kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte“. Nun darf man mit gutem Grund meinen, Oettingers Wahl dieser spitzfindigen Formulierung, Aufnahme einer von Filbinger und dessen publizistischen Verteidigern geprägten Formel, sei nicht mit der Wahrheitspflicht der öffentlichen Erinnerung vereinbar.[...]
Die Suggestionskraft der Entlastungsformel beruht darauf, dass sie in der einen Sache auf die faktische Nichtvollstreckung abstellt und in der anderen genau umgekehrt auf das formalistische Detail, dass der tatsächlich von Filbinger bewirkte tödliche Richterspruch nicht seine Unterschrift trägt."
Ein Wunder ist die von Oettinger und anderen angestrebte Geschichtsklitterei nachgerade nicht in einer Zeit, zu der RAF-Terroristen resozialisiert und von gewissen Kreisen geradezu mit Lob überschüttet werden...
Patrick Bahners setzt sich mit Rolf Hochhuths Artikel in der Sueddeutschen und der Trauerrede Oettingers auseinander:"Der Schriftsteller und Dramatiker Rolf Hochhuth hat gestern in der „Süddeutschen Zeitung“ Günther Oettinger bezichtigt, er habe eine „unverfrorene Erfindung“ in die Welt gesetzt, indem er sagte, es gebe „kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte“. Nun darf man mit gutem Grund meinen, Oettingers Wahl dieser spitzfindigen Formulierung, Aufnahme einer von Filbinger und dessen publizistischen Verteidigern geprägten Formel, sei nicht mit der Wahrheitspflicht der öffentlichen Erinnerung vereinbar.[...]
Die Suggestionskraft der Entlastungsformel beruht darauf, dass sie in der einen Sache auf die faktische Nichtvollstreckung abstellt und in der anderen genau umgekehrt auf das formalistische Detail, dass der tatsächlich von Filbinger bewirkte tödliche Richterspruch nicht seine Unterschrift trägt."
Ein Wunder ist die von Oettinger und anderen angestrebte Geschichtsklitterei nachgerade nicht in einer Zeit, zu der RAF-Terroristen resozialisiert und von gewissen Kreisen geradezu mit Lob überschüttet werden...
anaximander - Sa, 14.04.2007 12:27 - Kommentar verfassen
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