Schelte für Martin Mosebachs "Gerede"
Christian Semler ärgert sich über Martin Mosebachs Büchner-Preis-Rede, die aus seiner Sicht entschieden den Rahmen dessen sprengt, was die Duldsamkeit gegenüber schriftstellerischer Rede zu ertragen gebietet."Heinrich August Winkler, der Historiker, hat in seiner Kritik von Mosebachs Rede schon darauf hingewiesen, dass dessen eigentliches Angriffsziel die Ideen der Aufklärung sind, vor allem die radikal-demokratischen von Jean-Jacques Rousseau. Solche Fahndung nach den angeblichen Gründervätern des Totalitarismus ist nicht neu. Im Zentrum solcher Theorien stand stets Rousseaus Vorstellung von der notwendigen Identität der Bürger mit ihrem Gemeinwesen. Dieses Identitätspostulat nachträglich zur Grundlage moderner totalitärer Herrschaft zu machen war allerdings stets ein willkürliches Konstrukt. [..]Wie kann man den revolutionären Terror angesichts des Bürgerkrieges, der konterrevolutionären Interventionen und des Drucks verelendeter Massen mit der Nazi-Mordmaschine gleichsetzen?"und weiter"Mosebachs Parallelisierung der mörderischen Rhetorik des Revolutionärs de Saint-Just mit Heinrich Himmler und dessen Rede in Posen über den 'anständig' gebliebenen SS-Mörder ist nicht nur historisch abstrus, sondern folgt einem Geschichtsbild, das den konsequent demokratischen Impuls innerhalb der Französische Revolution denunziert - in geschichtspolitischer Absicht."
anaximander - Do, 01.11.2007 10:32 - Kommentar verfassen
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