Die Opfer deutscher Vernachlässigung
Jetzt mischt auch Heribert Seifert mit bei der feuilletonistischen Debatte um gewalttätige Ausländergruppen - mit einem lesenswerten Artikel. *Den Blick überhaupt auf ethnokulturelle Einflussfaktoren zu richten, gilt als anstößig und tendenziell rassistisch. Hier gibt es immer nur bedauerliche Einzelfälle. Das musste selbst die türkischstämmige Soziologin Necla Kelek erleben, als sie auf unerfreuliche Sozialisationspraktiken in bestimmten türkischen Milieus hinwies. Bereits die schlichte Beschreibung solcher ethnokultureller Eigenarten gilt als Rückfall in reaktionäres Denken. Erlaubt ist dagegen, als Erklärungsmuster die soziale "Unterprivilegierung" türkischer und arabischer Einwanderer ins Feld zu führen. Dieses Argument ermöglicht, im rhetorischen Sauseschritt die prügelnden Täter in Opfer deutscher Vernachlässigung zu verwandeln. An den kriminellen Karrieren dieser Täter unbeteiligt zu sein, das will sich deutscher Sündenstolz nicht nachsagen lassen.
Da fehlt nicht viel, den deutschen Opfern gleich direkt die Schuld für das zuzuweisen, was ihnen geschah. Der Feuilletonchef einer großen Wochenzeitung hat solcherart dem Münchner Rentner, den zwei ausländische Jugendliche krankenhausreif prügelten, zum Täter erklärt. Seine Aufforderung in der U-Bahn, das Rauchverbot zu beachten, gehöre zu jenen "Gängelungen, Ermahnungen und blöden Anquatschungen", mit denen er und seinesgleichen nach Ansicht dieses Kulturjournalisten den Ausländern "das Leben zur Hölle machen". Wer hätte da nicht Verständnis dafür, wenn die so Bedrängten mal ausrasten. *
Da fehlt nicht viel, den deutschen Opfern gleich direkt die Schuld für das zuzuweisen, was ihnen geschah. Der Feuilletonchef einer großen Wochenzeitung hat solcherart dem Münchner Rentner, den zwei ausländische Jugendliche krankenhausreif prügelten, zum Täter erklärt. Seine Aufforderung in der U-Bahn, das Rauchverbot zu beachten, gehöre zu jenen "Gängelungen, Ermahnungen und blöden Anquatschungen", mit denen er und seinesgleichen nach Ansicht dieses Kulturjournalisten den Ausländern "das Leben zur Hölle machen". Wer hätte da nicht Verständnis dafür, wenn die so Bedrängten mal ausrasten. *
anaximander - Fr, 18.01.2008 23:24 - Kommentar verfassen
- 0 Trackbacks - 7 Kommentare
- Mehr zum Thema Deutschland























Den ersten Absatz finde ich jedenfalls sehr gut.
Stimmt, der Heribert
Ja, Jessen hat es verdient, missverstanden zu werden.