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Paul Klee "Suche nach dem Orietn - von Bellini bis Klee"

Das Zentrum Paul Klee in Bern widmet der Faszination Paul Klees für den Orient drei Ausstellungen. Die erste "Suche nach dem Orient - von Bellini bis Paul Klee" hat nun begonnen und dauert bis zum 24. Mai 2009.DIE-FARBEN-DER-FREMDE-Kairuan-19141
Von heute aus betrachtet, kann man sagen, es sei ein kulturhistorischer Moment gewesen, als sich Paul Klee zusammen mit den Künstlerkollegen August Macke und Louis Moillet im April 1914 in Marseille nach Tunis einschiffte. Die Reise gehört zusammen mit der Notiz in Klees Tunesien-Tagebuch "Die Farbe hat mich. Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler." zur Klee-Legende.
Die in Tunesien und in der Folge entstandenen Bilder – und auch Mackes kaum je gezeigten Fotografien – sind Ausgangspunkt und Kern der neuen Ausstellung im Zentrum Paul Klee in Bern, das an einem Weg liegt, der nach einem Klee-Bild "Monument im Fruchtland" heisst. Dieses streng parallel aufgebaute Bild entstand nach Klees zweiter Orient-Reise, 1928 nach Ägypten. Selbstverständlich: Die klar und sorgfältig aufgebaute Ausstellung könnte auch heissen «Klee und der Orient». Denn Klee war fasziniert von jener Welt, von ihren Landschaften, von ihren Farben, Formen, Gerüchen, aber auch von den Ornamenten, die er dort sah.
Die Ausstellung spannt den Bogen jedoch weiter. Sie bettet Klees Orient-Blick ein in eine Kultur- und Kunstgeschichte, die das Verhältnis des Westens zum Orient nachzeichnet. Sie zeigt, so der Titel, die "Suche nach dem Orient". Suche heisst hier auch: Sehnsucht und Verklärung. Die Ausstellung wartet mit hochkarätigen Leihgaben auf, gerade auch, was Manuskripte, Stoffe und Kunsthandwerk aus dem Orient betrifft. Dann noch ein Paukenschlag: Da hängt das Porträt des Sultans Mohammed II., des Eroberers von Konstantinopel. Gemalt wurde die Leihgabe der National Gallery London von Gentile Bellini, dem bekannten italienischen Renaissance-Maler.
Grosse Gemälde dokumentieren die Strömung des Orientalismus in der Malerei des 19. Jahrhunderts, Reiterhorden, Harem- und Strassenszenen, die den Hauch des Exotischen mit dem des Erotischen durchaus verbinden können. Es sind Gemälde, die erst jetzt wieder in ihrem Wert und in ihrem Reiz erkannt werden, nachdem sie lange ganz einfach als Salon-Kitsch galten. Dann ein weiterer Höhepunkt: Skizzen, die Eugène Delacroix auf seinen Reisen nach Nordafrika machte. Zeichnungen, die die genaue Beobachtungsgabe des grossen Franzosen ebenso zeigen wie sein Temperament – und seine Faszination für die damals neue Welt. Klee war also nicht der erste Orient-Sucher, auch nicht der erste der Moderne, denn vor ihm war auch schon Henri Matisse im Orient – und im Ornament.
Hier öffnet sich die bisher streng gelenkte, chronologische Ausstellung, die im Übrigen dafür steht, wie das Team des Klee-Zentrums immer souveräner mit der grossen Ausstellungshalle von Renzo Piano umgeht. Die Stränge verzweigen sich und präsentieren Klees verschiedene Auseinandersetzungen und Adaptionen von orientalischen Sujets: Architekturen, Ornamente, Farbfelder, Kalligrafien.
"Auf der Suche nach dem Orient" ist der erste Teil einer Trilogie, den das Zentrum Paul Klee dem Phänomen des Orients widmet, der – heute heisst er Naher Osten – ja ständig die täglichen Nachrichten speist. Am 27. Februar folgt als Parallelausstellung unter dem Titel "Traum und Wirklichkeit" der Sprung in die Gegenwart mit vielen zum Teil unbekannten Künstlerinnen und Künstlern aus jener Weltgegend, aber auch mit Schweizern wie San Keller, Michael von Graffenried, Balthasar Burkhardt oder Reto Leibundgut. Es ist eine Gelegenheit, Klischees zu korrigieren und zugleich die Poesie und die Traditionen des Orients mit heutigen Augen zu sehen. Ab 30. Mai dann steht wieder Klee im Zentrum des Zentrums: "Teppich der Erinnerung" vertieft nochmals Klees Auseinandersetzung mit dem Orient – und zeigt, dass er vielleicht doch ein wenig der Orientale war, als den er sich gerne sah und gab.
Konrad Tobler/MZ / mehr

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