Gore Vidal und der deutsche Sprachraum
Rainer Bonhorst schreibt zum Tod des in Deutschland unverstandenen Gore Vidal
- "Der Tod des amerikanischen Schriftstellers Gore Vidal wurde in Deutschland so wenig bemerkt wie sein Leben und sein Werk. Er war einfach zu amerikanisch. Über seinen deutschen Misserfolg sagte (oder schrieb) er einmal: “The Germans don’t get it.” Was die Germans nicht begriffen, war die Arbeit und Gestalt eines Mannes, der in keine Schublade passte. Und schon gar nicht in eines unserer Amerika-Klischees.
Er war ein provokanter, streckenweise verdrehter, zuletzt absurder Linker und ein bisweilen arroganter Ostküsten-Aristokrat. Ein Salonbolschewist, dessen große Romane sich in keiner Zeile mit den unterdrückten Massen befassen. Er war professioneller Talk-Show-Gast und unermüdlicher name dropper (und entfernter Kennedy-Verwandter); er schrieb Krimis (als Cameron Kay), Drehbücher (Ben Hur) und Broadway-Stücke, darunter eine Neubearbeitung des Dürrenmatt-Stücks “Romulus der Große”. Klar, was ihn daran reizte: der letzte, schwache Kaiser des untergehenden Roms als “Romulus der Große”. Die gegen den Strich gestellte Perspektive also."
anaximander - Mo, 13.08.2012 08:10 - Kommentar verfassen
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