Ingeborg Bachmanns Wahrheitsbegriff
Ruth Klüger spricht in ihrer Klagenfurter Rede über die Wahrheit bei Ingeborg Bachmann:
- "Die Wahrheit war für Bachmann das Ziel der Kunst und gleichzeitig zweifelte, ja, verzweifelte sie immer wieder an der Möglichkeit, sie auszudrücken. Das ist mehr als die modische Sprachskepsis der 60er- und 70er-Jahre. Ich meine, es ist das Problem, das ihr ganzes Werk durchzieht, und man könnte behaupten, es ist ein Hauptproblem für die heutige Literatur. Sprache sollte Vermittlerin der Wirklichkeit, ihre Verwandlung in Wahrheit sein. Doch Bachmann ist die Dichterin der Gleichnisse, die nicht aufgehen. Wir suchen nach dem Sinn, und sie verweigert ihn, nachdem sie uns lockt und glauben macht, dass sie ihn uns auf Bestellung kredenzen wird. Diese Verwirrung führt die Leser zu weiterem Suchen."
anaximander - Sa, 07.07.2012 16:56 - Kommentar verfassen
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