Muslime stehlen Hindu-Frauen
Eliane Engeler berichtet von einem "modernen Raub der Sabinerinnen" in Gohar Abbas, Jacobabad.
Quelle Financial Times Deutschland vom 15.08.12
- Pakistans Hindu-Familien haben Angst um ihre Töchter. Denn immer wieder werden Frauen entführt und
zwangskonvertiert
Traurig schaut Ramesh Kumar durch seine dicken Brillengläser. Seine Tochter Lata, eine junge Ärztin, wurde im
Februar in der pakistanischen Wirtschaftsmetropole Karachi entführt. „Seitdem habe ich jeden Augenblick das Gefühl,
hundertmal zu sterben. Wir dürfen sie nicht mal am Telefon sprechen“, sagt Kumar und sinkt tiefer in das große
Ledersofa seines Wohnzimmers, das mit teuren Möbeln und zahlreichen Bildern von Hindu-Gottheiten ausgestattet
ist. Er ist überzeugt, dass Nadir Baig, der Sohn eines einflussreichen muslimischen Nachbarn, seine Tochter hat
entführen lassen. Der wird später vor Gericht aussagen, sie sei zum Islam übergetreten und habe ihn geheiratet.
Der ohnehin schwache pakistanische Staat unternimmt nichts in diesen Fällen. Religiöse Minderheiten haben einen
schweren Stand in einem von religiöser Intoleranz geprägten Land. Lokalbehörden und Polizei sind korrupt, und oft
werden die Familien von den Entführern bedroht.
Die rund drei Millionen Hindus in Pakistan bilden die größte religiöse Minderheit in dem islamischen Staat. Die
meisten leben seit Jahrzehnten im ländlichen Sindh, dessen Bewohner als relativ tolerant gelten. Doch gerade
wohlhabende, gut ausgebildete Hindu-Töchter werden immer öfter Opfer von Entführungen und
Zwangskonvertierungen.
Genaue Zahlen gibt es keine, denn die Fälle kommen selten an die Öffentlichkeit. Angehörige der Betroffenen wollen
kein Aufsehen erregen, um die Ehre der Familie zu bewahren. Für die konvertierten jungen Frauen ist es zu
gefährlich, mit Außenstehenden zu sprechen. Wohlhabende Hindu-Familien fürchten so sehr um ihre Töchter, dass
viele von ihnen nach Indien abwandern. In Sindh haben nach wie vor die Großgrundbesitzer das Sagen, und sie
geben radikalislamischen Geistlichen nicht selten Rückendeckung, wenn es um Zwangskonvertierung geht. Dafür
helfen die Mullahs den Feudalherren politisch durch Predigen und Versammlungen in Moscheen.
Zwangskonvertierungen junger Hindu-Frauen werden religiös gerechtfertigt, denn wer einen Ungläubigen zum Islam
bekehre, erhalte einen besonderen Platz im Himmel. Doch oft stehen irdische Motive dahinter wie
Geschäftsrivalitäten. Zwangskonvertierung haben mit der wachsenden Zahl von radikalislamischen Koranschulen
zugenommen.
Kumar lässt aus Angst vor einer weiteren Entführung seine beiden anderen Töchter nicht mehr aus dem Haus. Seine
zwei Söhne werden von Schulkameraden gehänselt. Sie behaupten, Schwester Lata hätte sich mit einem Muslim
davongemacht.
Dieser Meinung ist auch der Mullah jener kleinen Koranschule in Karachi, der Kumar konvertiert hat. Die junge Frau
sei aus freien Stücken zum Islam übergetreten, weil sie Baig habe heiraten wollen, behauptet Abu Jabir Abdullah. Er
habe die beiden gleich nach dem Übertritt zum Islam verheiratet. Auf dem Zertifikat der Konvertierung jedoch fehlt
Kumars Unterschrift. Dafür haben Baig und drei andere Zeugen unterschrieben. Kumars Unterschrift auf der
Heiratsurkunde sieht ganz anders aus als jene auf ihrem Personalausweis und anderen Dokumenten.
Die Polizei habe nichts unternommen, so ihr Vater: Ihr „Schwiegervater“ sei ein lokaler Richter mit guten
Verbindungen zu den Behörden, Geistlichen und dem Großgrundbesitzer. Kumar zog bis vor den Obersten
Gerichtshof, doch der entschied, seine Tochter müsse bei ihrem Ehemann bleiben. Ein Treffen mit den Eltern genüge.
Baig erlaubte den Eheleuten, ihre Tochter für gerade mal acht Minuten in einem Hotel in Karachi zu sprechen. Er
machte klar, dass die ganze Familie in Gefahr sei, wenn sie weiterhin versuchten, sie zu kontaktieren. Kumar sagt,
seine Tochter hätte geweint und krank ausgesehen. Es war das letzte Mal, dass die Eltern sie sahen.
Quelle Financial Times Deutschland vom 15.08.12
anaximander - Do, 16.08.2012 15:50 - Kommentar verfassen
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