Tunesien setzt Shakespeare auf den Index
Tunesien, das sich als erstes arabisches Land durch die Revolution von seinen Herrschern befreit hat, fällt vom Regen in die Traufe. Zumindest wenn man Mechtild Gilzmer folgt. Der laizistische Staat wird islamisch.
- Während es die Ennahda-Partei vermeidet, über die Stränge zu schlagen, zeigen sich die Salafisten weniger besorgt um ihr Image und versuchen, eine religiöse Imprägnierung des Alltags durchzusetzen. Demnach soll auch in internationalen Hotels kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden und für Frauen wieder die Ganzkörperverschleierung gelten. Besonders die Universitäten scheinen eine bevorzugte Spielwiese für eine doktrinäre Einflussnahme zu sein. Dozentinnen werden von ihren Studenten aufgefordert, sich „dezenter“ zu kleiden. William Shakespeare stößt wegen einer allzu „sittenlosen Ausdrucksweise“ auf Ablehnung, ebenso die Philosophie Friedrich Nietzsches. In der Kunsthochschule von Tunis wird das Bilderverbot bemüht, um Michelangelo aus dem Kanon der zu behandelnden Künstler streichen zu können.
anaximander - Do, 22.12.2011 11:15 - Kommentar verfassen
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