'Qualitätsjournalismus muss im Internet-Zeitalter seinen Lesern erst beweisen, dass er es Wert ist, dafür zu zahlen. So lautete eine der zentralen Aussagen bei der gestrigen Veranstaltung 'Media Coffee', die die dpa-Tochter 'News Aktuell' in Frankfurt ausrichtete. Dass die Blogosphäre so erfolgreich ist, sei ein Hinweis darauf, dass den Lesern solch charismatische Autoren wie die Blogger bisher gefehlt hätten, meinte Prof. Lorenz Lorenz-Meyer, Leiter des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt. "Blogger sind eine kritische Öffentlichkeit, die dem Journalismus nur gut tun kann."
Auch Peter Turi, Autor und Initiator des Branchendienstes turi2.de, unterstrich die Qualität einiger Blogs. "Edelfedern gibt es nicht nur in Printmedien, sondern auch in Blogs. Man kennt sie nur nicht so gut." Außerdem machte Turi deutlich, dass Blogs keine Gefahr für den klassischen Journalismus darstellen. "Blogs sind jedenfalls kein Grund, warum die so genannten Qualitätsmedien, keine Qualität mehr liefern sollten.
Peter Stefan Herbst, der mit der 'Saarbrücker Zeitung' als erster in Deutschland den "Leserreporter" startete, stellte sich klar hinter das umstrittene Modell: "Wir haben durch dieses Instrument viele hilfreiche Hinweise bekommen. Deshalb drucken wir aber noch lange keine Bilder von Oskar Lafontaine in der Badehose. Zum Beispiel haben wir Leserreporter auf einer Betriebsversammlung, die uns sehr frühzeitig informieren." Der Chefredakteur unterstrich den grundsätzlichen Wert des Mediums Zeitung. "Wir müssen den Leuten klar machen, dass es Inhalte gibt, für die sie bezahlen müssen. Wenn uns das nicht gelingt, dann haben wir verloren. Zeitung bedeutet Ruhe, sich mit etwas intensiv zu beschäftigen, sich nicht berieseln zu lassen", so Herbst. Außerdem kündigte er an, dass die 'Saarbrücker Zeitung' ab September auch Video-Nachrichten produzieren will. Auch eine neue Business-Community sei geplant.
Die Frankfurter Rundschau setzt dagegen seit einigen Wochen auf den Tabloid-Effekt. "Alle Katastrophenszenarien, die uns prophezeit worden sind, sind nicht eingetroffen. Aber wir sehen schon gute Erfolge", sagte Chefredakteur Uwe Vorkötter. Aber er stellte auch klar: "Nur am Format alleine liegt es nicht, ob man junge Leser gewinnt. Man muss mehr machen als eine neue Seite für Teenager einführen. Wichtiger ist der gesamte Grundton der Zeitung", erläuterte Vorkötter sein Konzept, jüngere Zielgruppen anzusprechen.
Kritische Töne zum Verhältnis von Journalismus und PR fand Thomas Leif, Chefreporter Fernsehen des 'SWR' und Vorsitzender des 'Netzwerks Recherche'. "Es ist ein großer Sieg der PR-Branche, dass sie viele Informationen in die Medien hineinträgt. Aber es ist ein Phyrrus-Sieg." Leif machte außerdem darauf aufmerksam, dass es heute eine große Lücke zwischen einem "Informationsproletariat" und einer "Informationselite" gebe. Und niemand könne sagen, wie diese Lücke zu schließen sei, so Leif.'
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