Sie sind Narzissen und Plattitüdenakrobaten, alle beide,
schreibt Jörg Sundermeier, der das 72 Seiten umfassende "Werk" von Stéphane Hessel und dem Dalai Lama gelesen hat.
Wie konkrete Politik bei den Herren aussieht, skizziert der Gottesmann anhand der aktuellen Krisenproteste: "Nehmen wir einmal die Streiks, die Unruhen in Griechenland und anderswo - vielleicht wären sie nicht aufgetreten, wenn man die strengen Sparauflagen behutsam, schrittweise eingeführt und nicht mit einem Schlag brutal durchgesetzt hätte. Für mich zeigt sich hier ein Mangel an ganzheitlicher Perspektive." Dass der Dalai Lama glaubt, "behutsam eingeführte" - jedoch gleichbleibende - Sparauflagen hätten die griechischen Protestierer vor ihrer Armut bewahrt, zeigt einen Mangel an ökonomischem Verständnis. Der alte Herr Hessel nickt nur dazu. Jaja, alles ist ja irgendwie Geist und eine Handvoll Weltweisen werden's schon richten. Wenn man nur auf sie hören würde! Nun mag man es den beiden nicht verdenken, wenn sie sich auf ihre alten Tage hofieren lassen wollen. Erschreckend ist jedoch, welch großen Erfolg die kleinen Büchlein voller Gemeinplätze haben, die alte Herren wie Hessel derzeit zu Stars machen.
Stéphane Hessel, Dalai Lama:
"Wir erklären den Frieden!" Ullstein Verlag, Berlin 2012, 72 Seiten, 9,99 Euro