Man muss nicht unbedingt in Entwicklungsländer reisen, um dem Hunger zu begegnen. In Europa leiden 30 Millionen Menschen unter Ernährungsmangel; die meisten sind alt. Experten fordern, der Ernährung im Alter mehr Bedeutung zuzumessen.
"Jeder sechste Senior isst zu wenig, doch wird Mangelernährung zu wenig erkannt und behandelt. Dabei verringert ausreichende Ernährung nachweislich die Zahl und Dauer der Spitalseinlieferungen", erklärt Jean-Pierre Baeyens, Past Präsident der Europäischen Gesellschaft für Past President der Europäischen Gesellschaft für Gerontologie.
Es ist verständlich, dass Menschen, die über 80 Jahre alt sind, Probleme mit dem Einkaufen haben, seit der Tante-Emma-Laden verschwunden ist. Der Weg zum nächsten Einkaufszenter ist weit und Online-Shopping bringt ihnen keiner bei. Die grösste Rolle aber spielt die Armut: Das Geld reicht entweder für eine geheizte Wohnung, einen Besuch im Club oder aber für eine Mahlzeit pro Tag. Das gilt für Menschen, die zuhause leben; alte Menschen in Spitälern oder Heimen sind schlechter dran. In Spitälern leiden 25 bis 40 Prozent an Mangelernährung und in Pflegeheimen sogar 30 bis 70 Prozent. Die belgischen Gerentologen betonen, dass die Diagnose von Mangelernährung sehr einfach, ihre Behandlung vergleichsweise billig und deren Wirkung für die Gesundheit deutlich zu sehen sind. Dennoch würde das Problem selbst von Ärzten entweder übersehen oder bagatellisiert.
ptat