Fast alle Zeitungen berichten heute, der Mörder von Toulouse habe dafür Sorge getragen, dass der Wahlkampf in Frankreich unterbrochen werde. Das ist das Absurdeste und Unausgegorenste, das wir je über einen Wahlkampf gelesen haben.
Der Meuchelmörder schlug am 19. März in Toulouse zum dritten Mal zu. Nachdem er bereits drei Soldaten hingerichtet hatte, widmete er seine "Aufmerksamkeit" einer jüdischen Schule, knallte drei Kinder und einen Lehrer ab.
Sofort machten sich in den Medien Gerüchte breit über einen rechtsradikalen Täter. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton konstruierte einen wirren Zusammenhang mit dem Schlächter Anders Breivik - und die Regierungspartei und die Sozialisten hofften auf einen Täter, der den Neonazis zuzuordnen ist. Sarkozy und Hollande eilten zum Ort des grausigen Geschehens und beteuerten, man werde den Mörder fangen, die Taten ahnden. Beide zeigten sich betrübt; beide bedauerten; beide taten so, als trauerten sie; beide nutzten die Tat, sich unter den Augen ihrer Wähler ins beste Licht zu stellen; beide ließen Frankreich eine Minute still stehen.
Auch das ist Wahlkampf. Wenn auch unter anderen Voraussetzungen und mit anderen Mitteln.
Hier irrt zum Beispiel Jürg Altwegg.