Thomas Macho hat einen
Essay über die vielen Krebsbekenntnisbücher des letzten Jahres geschrieben.
"Wer redet, ist nicht tot: auch und gerade, sofern er vom eigenen, bevorstehenden Tod spricht. Denn die Tabus und Pietätsregeln, deren Verfall oft so wehleidig diagnostiziert wird, galten stets den Gestorbenen; de mortuis nil nisi bene. Zumeist dienten sie weniger dem Respekt als vielmehr dem Schutz vor der gefürchteten Rache der Toten, deren fremde Präsenz ebenso verstört wie ihre radikale Kommunikationsverweigerung."
Rainer Trampert
scheint davon überzeugt, dass es richtig ist, dass Baring, Nolte, Miegel, Metzger, Sarrazin oder Sloterdijk "besoffen von Missgunst und Verachtung für die staatliche Wohlfahrt" sind.
Das Sorgenbarometer 2009 des Forschungsinstituts Gfs-Zürich zeigt, dass die Sorge der Schweizer der steigenden Kriminalität und Überfremdung gilt. Die Intelligenzler vom Gfs suchen die Schuld dafür bei der medialen Thematisierung; sie
sind der Ansicht, dass das Verschweigen der Verbrechen und der Herkunft der Verbrecher, die Schweizer Bevölkerung beruhigen würde. So viel Quatsch haben wir noch selten gelesen.
Norbert Bolz ist
nicht einverstanden damit, für alle Übel die Liberalen verantwortlich zu machen und "erfolgreiche, leistungsbereite und wachstumsorientierte Menschen" in die Defensive zu treiben. "Für den modernen Liberalen gibt es keine funktionierende Wirtschaft ohne einen starken Staat. Allerdings ist der starke Staat nicht umso stärker, je tiefer er in die Wirtschaftsprozesse eingreift. Im Gegenteil schwächt er sich durch seine allgegenwärtigen regulierenden und helfenden Eingriffe. Der starke Staat hat also die Aufgabe, den Kapitalismus gegen die schlechten Kapitalisten zu verteidigen, d.h. für die Herrschaft des Leistungsprinzips, die Freiheit des Marktes und die Demokratie der Konsumenten zu sorgen."
Thomas Steinfeld hat ein kleines Buch, das uns das Scheitern der Bolognaprozesse an deutschen Universitäten vor Augen hält. Nicht nur in seinen Augen ist die Universitätsreform
kläglich gescheitert.
Auf die Frage
"Ist Günter Wallraff ein Aufklärer?" antwortet Daniel Bax "Ja" und Cristina Nord mit "Nein".
Der alltägliche Rassismus, dem sich dunkelhäutige Menschen in Deutschland ausgesetzt sehen, ist kein Staatsgeheimnis. (...) Ohne Günter Wallraff wäre das Thema jetzt nicht wieder auf allen Kanälen. Dass Wallraff gerne in eine fremde Identität schlüpft, um aus eigener Anschauung über Missstände zu berichten, ist sein Markenzeichen.
Wer auch immer Wallraff sein Schwarzsein abgekauft hat, hat nicht genau hingeguckt. Behaupten wir.
Andrian Kreye
berichtet, dass der Traum von einer großzügigen Meritokratie, den Sloterdijk sich erträumt, sich in Europa nicht wird erfüllen lassen wird. Es wäre ja schön, wenn die Amtsträger aufgrund ihrer Leistung gewählt würden. Da Leistung in Europa nicht zählt, ist die Meritokratie noch in weiter Ferne.
Lena Stallmach
berichtet über den Stand der Debatte, die sich mit der Steigerung der kognitiven Leistung befasst - und die Wissenschaftsgemeinde spaltet.
"Die sieben Juristen, Mediziner und Psychiater unter der Koordination der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler beschäftigten sich während dreier Jahre mit dem Thema und veröffentlichten ihre Schlussfolgerungen in einem Memorandum in der Zeitschrift «Gehirn und Geist». Im Zentrum steht dabei das Recht eines jeden Menschen, über sein persönliches Wohlergehen, seinen Körper und seine Psyche selbst zu bestimmen.
Die Autoren wollen eine Debatte darüber anregen, wie man in der Gesellschaft verantwortungsbewusst mit Präparaten zur Steigerung der geistigen Leistung und Befindlichkeit (kognitiven Enhancern) umgehen kann. Deshalb schlagen sie vor, den negativ besetzten Begriff des Hirndopings, der zu sehr an das Doping im Sport erinnere, durch den neutraleren Begriff des Neuro-Enhancements zu ersetzen. Nur so werde eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Thema möglich."
Frankreich hat eines, Britannien wäre froh, eines zu haben. Der Verein der Ex-Muslime will für ein Burka-Verbot kämpfen. "Man muss die Burka in der Schweiz verbieten", sagt Ebadullah Mehtinezhad, Exil-Iraner und Präsident der Ex-Muslime Schweiz, in der Zeitung "Sonntag". Durchsetzen will der Verein das Verbot über das Vermummungsverbot. Was für Hooligans gelte, müsse auch für Muslimas gelten, meinen die Ex-Muslime. Die Burka sei ein Gefängnis für die Frauen und verhindere die Integration.
Frauen, die sich hinter der Burka verstecken, den Tschador tragen oder das Kopftuch, wirken hierzulande - das geht ganz vergessen - überheblich und arrogant. Die Burka zu verbieten, macht aber nur unter Sicherheitsaspekten Sinn.
Sonntag, leider nicht online abrufbar
Matthias Heine
beschreibt die Entscheidung der Zeitschrift Brigitte, nur noch normalgewichtige Mädchen aus dem Volk als Fotomodelle einzusetzen, als Ausdruck eines säkularen Kampfes zwischen Priestern und Laien.