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KI

Montag, 27. Juli 2009

Furcht vor künstlicher Intelligenz

Was bislang lediglich als finstere Zukunftsvision in Science-Fiction-Filmen aufgetaucht ist, scheint nun Wissenschaftlern ernsthaft Sorgen zu bereiten: Durch den immer schnelleren technologischen Fortschritt könnten Menschen irgendwann die Kontrolle über die erschaffene künstliche Intelligenz verlieren. Zwar sei man weit davon entfernt, dass ein Supercomputer eine ernsthafte Bedrohung darstelle, intelligente Maschinen könnten unsere Gesellschaft jedoch grundlegend verändern, so die Wissenschaftler. Eine Konferenz zu diesem Thema fand bereits im Februar statt, die Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden, so die New York Times.
Roboter, die Türen öffnen und selbst eine Ladestation finden können, Computer-Viren, die niemand mehr stoppen kann, militärische Drohnen, die zwar noch von Menschen gesteuert werden, aber bereits nahe daran sind, eigenständig töten zu können - all diese Entwicklungen bereiten führenden Wissenschaftlern mittlerweile Kopfzerbrechen. Auf der Konferenz wurde daher diskutiert, ob es Grenzen für Forschung geben sollte, die den Menschen die Kontrolle entziehen könnte. Zudem würde die Weiterentwicklung von Robotern schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt haben, weil sie die Jobs besser als Menschen erledigen könnten, so die Forscher.
Die Konferenz wurde von der Association for the Advancement of Artificial Intelligence organisiert und fand im Februar im Asimolar Konferenzzentrum in Monterey Bay, Kalifornien statt. Bereits die Auswahl des Ortes hat Bedeutung: Hier trafen sich im Jahr 1975 führende Biologen, um die Auswirkungen der Gen-Forschung zu diskutieren. Das Treffen wurde von Eric Horvitz, einem Entwickler bei Microsoft und Präsident der AAAI, unterstützt. Es sei an der Zeit, ein Statement zu dem Thema abzugeben, so Horvitz. Die wachsende Sorge über die schnelle technologische Weiterentwicklung dürfe nicht ignoriert werden.

Sonntag, 21. Juni 2009

Kevin Warwick will Eins mit dem Netz werden

Kybernetik-Professor Kevin Warwick erklärt, warum wir mit dem Internet eins werden müssen

Von Barnaby Skinner

Kevin Warwick ist «Captain Cyborg». Der Übername geht auf Experimente zurück, die der Wissenschaftler vor zehn Jahren an sich selber durchgeführt hat. Er pflanzte einen Silikon-Chip in seinen Arm und koppelte sein Nervensystem mit einem PC. Mit einfachen Körperbewegungen konnte er so via Internet von der US-Universität MIT aus einen Roboter steuern, der sich in einem Labor jenseits des Atlantiks befand.

Eine Dekade später sorgt der Brite Warwick erneut für Wirbel. Ihm ist es gelungen, an der Universität Reading bei London einen Roboter zu entwickeln, der mit einem Rattenhirn funktioniert. Die SonntagsZeitung hat sich mit dem umstrittenen Forscher getroffen und sich erklären lassen, wie sein Roboter funktioniert und wie der Mensch verhindern kann, von intelligenten Maschinen abgehängt zu werden.

Sie sagten vor zehn Jahren, Maschinen würden dereinst intelligenter sein als Menschen. Sind wir heute so weit?

Damals war ich mit meiner Meinung in der Minderheit. Wenn ich heute mit Studenten rede, sagen sie: Natürlich sind Maschinen klüger, was für eine blöde Frage. Die jüngere Generation wächst mit Computern auf, die Rechenaufgaben oder Recherchen wesentlich schneller durchführen können als sie selber.

Aber Computer machen nur, was der Mensch befiehlt.

Sind Sie sicher? Im Finanzsektor kaufen und verkaufen Maschinen heute selbstständig Aktien. Auch im Militär spielen Computer eine wachsende Rolle. Oder nehmen Sie die Suchmaschine Google. Sie nimmt uns immer mehr Entscheidungen ab. Tatsächlich kontrolliert niemand das Internet oder das Netz, wie ich es zu nennen pflege, weil es zu komplex geworden ist. Gleichzeitig werden wir davon immer abhängiger.

Wir sind dem Netz ausgeliefert?

Alles deutet darauf hin, dass dereinst alle wichtigen Entscheide nicht von uns, sondern vom Netz getroffen werden.

Sie malen hier ein Big-Brother- Szenario an die Wand.

Vielleicht. Das Netz ist nicht mehr greifbar; es ist eine Ansammlung vieler Intelligenz-Täschchen; eine Art Welthirn. Die einzige Möglichkeit, die Kontrolle nicht zu verlieren, ist, sich komplett damit zu verbinden.

Sie wollen unser Gehirn direkt mit dem Internet verbinden?

Genau. Im Moment, so wie Sie und ich dasitzen, sind wir nicht Teil des Netzes.

Mit meinem Handy schon.

Damit sind Sie ein bisschen verbunden. Die ultimative Verbindung wäre mit Gedankenkraft.

Sie haben den gleichen Traum wie die Google-Gründer. Sergey Brin und Larry Page wollen die Internet-Suchmaschine auch direkt mit dem menschlichen Hirn verbinden.

Wir sind schon sehr weit in der Entwicklung. Meine 27-jährige Tochter beklagte sich kürzlich über hohe Lebenskosten. Ich schlug ihr vor, auf das Mobiltelefon zu verzichten. Es war, als ob ich ihr geraten hätte, ihren Arm zu amputieren. Ohne Handy, sagte sie mir, würde sie die Kontrolle über ihr Leben verlieren. So geht es heute vielen.

Irgendwann werden wir also alle via Gehirnimplantat permanent online sein.

Richtig. Und meine neuste Forschung an einem Roboter, der das Hirn einer Ratte hat, ist ein weiterer Schritt in diese Richtung.

Jahrelang haben Sie an Implantaten für Menschen gearbeitet. Nun gehen Sie den umgekehrten Weg und statten einen Roboter mit einem biologischen Hirn aus. Warum?

Ich habe meinen Blickwinkel verändert. Aber nur leicht. Es ist erstaunlich, wie viele Überschneidungen meine Arbeit mit früher hat. Die grundlegende Technologie und die elektronischen Signale, die wir verwenden - ob vom Körper in den Computer oder vom Rattenhirn zum Roboter -, sind sehr ähnlich.

Erklären Sie uns diese Technologie.

Das Kernelement ist eine Elektrodenplatte. Wir spritzen Ratten-Neuronen darauf. Hält man diese bei einer Temperatur von genau 37 Grad Celsius und versorgt man sie regelmässig mit Nährstoffen, beginnen sich zwischen den Neuronen Verbindungen zu entwickeln. Meine Kollegen aus der Biologie bestätigen mir, dass unsere Zuchthirne alle Voraussetzungen erfüllen, um als Lebewesen bezeichnet zu werden. Sie benötigen Nahrung, scheiden diese auch aus, sie sind lernfähig, und sie sterben!

Wie statten Sie diese Gehirne mit einem Körper aus?

Ich baue keine Monster wie Frankenstein. Das Gehirn ist losgelöst vom Körper. Wir haben ein kleines Gefährt mit Rädern, einem Motor und Sensoren entwickelt. Die Sensoren melden via Ultraschall dem Gehirn, wann ein Objekt oder eine Wand im Weg steht. Dieses entscheidet dann, in welche Richtung es ausweichen soll, und übermittelt die Entscheidung mit elektronischen Impulsen via Bluetooth. Als Nächstes arbeiten wir an einem Audio-Input, um den Roboter mit Befehlen wie links und rechts leiten zu können.

Ihre Arbeit wirft grosse ethische Fragen auf.

Für manche Leute sind unsere Experimente verwerflich. Aber Ratten sind nicht so populär, das machts einfacher. Kritischer wird es mit menschlichen Neuronen.

Sie wollen im selben Verfahren mit menschlichen Neuronen experimentieren?

Natürlich werde ich Menschenhirn in Roboter einbauen. Diese Mini-Hirne sind nichts anderes als mikroskopische Aufnahmen einzelner Gehirnteile. Wir können damit zu verstehen beginnen, was Erinnerungen sind. Alzheimer-Forscher versprechen sich viel davon. Klar: Aus religiösen Kreisen dürfen wir mit viel Kritik rechnen, wenn wir menschliche Neuronen verwenden.

Wohin führt Ihre Forschung?

Wir wissen über die Zuchthirne sehr wenig. Auch wenn sie nicht via Bluetooth mit ihrem Körper verbunden sind, senden sie Signale aus. Woran denken sie? Sind sie simple biologische Konstrukte oder steckt mehr dahinter? Diese Fragen sind mit dem Gedanken der künstlichen Intelligenz verbunden. Und die Implikationen machen Angst. Haben wir am Ende einen Roboter, der intelligenter ist als der Mensch? Einen Terminator vielleicht?

Und um gegen intelligente Maschinen gewappnet zu sein, behaupten Sie, muss der Mensch selber zur halben Maschine werden.

Könnte ich mich heute mit einem Chip permanent mit dem Internet verbinden, wäre ich als Forscher viel leistungsfähiger. Ich sehe das natürlich aus der Sicht eines Wissenschaftlers. Ich wäre gerne der erste Mensch, der sich permanent mit dem Netz verbinden kann.

Haben Sie keinen Respekt vor einem solchen Schritt?

Natürlich. Gleichzeitig will ich verhindern, dass, egal was wir tun, die Technologie alle Entscheidungen trifft. Nehmen wir den Film «The Matrix». Positiv war, dass man sich schöne Geschichten ins Gehirn pflanzen konnte, negativ, dass man keine Kontrolle mehr darüber hatte, was heruntergeladen wurde. Es geht mir darum, menschliche Kriterien am Leben zu erhalten. Maschinen stechen den Menschen heute überall aus, ob in Geschwindigkeit oder Speicherkapazität. Wo hat das Menschenhirn noch Vorteile?

Computer haben bei der Bilderkennung Probleme oder Mühe, Texte zu übersetzen.

Noch. Manche Leute werden betonen, dass Computer keinen Witz verstehen. Ich hoffe nur, dass solche Kriterien in der Zukunft noch relevant sind. Vielleicht zählen sie gar nicht mehr.
Publiziert am 21.Juni in der Sonntagszeitung

Freitag, 5. Juni 2009

Der Interface-Handschuh

interface-handschuh-peregrineIm Rahmen der Video- und Computerspielmesse E3 Expo hat das Unternehmen Iron Will Technologies seinen Interface-Handschuh "Peregrine" vorgestellt. Das Eingabegerät bietet die Möglichkeit, nutzerseitig mehr als 30 Steueraktionen zu programmieren, die dann einfach durch Fingerberührungen ausgelöst werden können. Das verspricht eine einfache Steuerung gerade bei Computerspielen. Auch die Geschwindigkeit ist dabei laut Hersteller beachtlich - bis zu 250 Aktionen pro Minute (APM) seien ersten Test zufolge möglich.
Der Peregrine umfasst insgesamt 17 Druck- und drei Aktivator-Punkte, um diverse Aktionen auszulösen. Welche genau das sind, bestimmt der Nutzer selbst mithilfe der zugehörigen Konfigurationssoftware. Im Rahmen der E3 Expo wurde insbesondere demonstriert, wie das bei Spielen genutzt werden kann. Ein Beispiel ist etwa, dass der Spieler nur durch Berühren des Zeigefingers mit dem Daumen in einem Online-Rollenspiel ein Zauber sprechen oder seinen Charakter durch eine einfache Bewegung heilen kann. Damit User in der Hitze des Gefechts nicht zu sehr in Schwitzen geraten, setzt der Handschuh auf lüftendes Netzmaschen-Material an geeigneten Stellen. Um wiederum das schnelle Abkoppeln leicht zu machen, ist der Handschuh über ein Magnetpad an das zum Computer führende Kabel angeschlossen.

Donnerstag, 4. Juni 2009

Maschinen mit Gedanken steuern

Jens Lubbadeh berichtet, dass Berliner Forscher ein Gerät entwickelt haben, das Gedanken in elektrische Signale übersetzt - schneller als jede andere Maschine ihrer Art. Mit der neuen Technik könnten Gelähmte sogar flippern, wie eine Vorstellung eindrucksvoll belegte.
Es gibt die Gedankensteuerung schon seit einiger Zeit, vieles wurde zusammen mit dem Paraplegikerzentrum Nottwil entwickelt. Allerdings ist die Berliner Maschine die schnellste.

Dienstag, 27. Januar 2009

Neue Mechanismen für Künstliche Intelligenz

Verbesserte künstliche Intelligenz und insbesondere Computerprogramme zur Gesichtserkennung könnten ausgerechnet durch das einfache Vorbild des Bienengehirns Realität werden. Dieser Ansicht ist der Bienenexperte Adrian Dyer, Mitarbeiter am Department of Physiology der australischen Monash Univesity. "Die Idee dahinter, in Insektengehirnen nach möglichen neuen Mechanismen für KI zu suchen, ist, dass Insektengehirne sehr klein sein müssen. Die Evolution könnte einen schlauen Trick zur Problemlösung gegeben haben", erklärt Dyer. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Bienen Bild-Interpolation zur Gesichtserkennung nutzen. Diese Methode könnte auch für entsprechende Computer-Software interessant sein.
"Es gibt eine Reihe von Problemen mit derzeitigen KI-Gesichtserkennungssystemen, wenn Personen unabhängig vom Blickwinkel erkannt werden sollen", erklärt Dyer. Daher sei es interessant, wie das einfache Bienengehirn derartige Aufgaben bewältige. "Wir haben gezeigt, dass das Bienengehirn mit weniger als einer Mio. Neuronen eigentlich sehr gut darin ist, komplexe Aufgaben zu bewältigen", betont der Forscher. Das Verständnis, wie das funktioniert, sei interessant für Entwickler komplexer Bilderkennungssysteme, die mit geringen Hardwareressourcen auskommen sollen. Dyer hat in Zusammenarbeit mit einem britischen Kollegen untersucht, wie genau Bienen das Problem der Bilddrehung lösen. "Unsere Studie zeigt, dass Bienengehirne Bild-Interpolation - also ein Mitteln zuvor gelernter Ansichten - nutzen, um Gesichter oder andere komplexe Stimuli aus einem neuen Blickwinkel zu erkennen", erklärt Dyer.
Dieser vom Bienengehirn genutzte Mechanismus ist nach Ansicht von Dyer vielversprechend, um neue Ansätze bei KI-Gesichtserkennungssystemen zu ermöglichen. "Ein denkbares Ergebnis unserer Erkenntnisse wäre, Bild-Interpolation für die Erkennung von Gesichtern in Menschenmengen zu nutzen", meint Dyer. Denn in solchen Anwendungen können Gesichter aus sehr vielen verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen werden, während Vergleichsdatenbanken auf einige wenige Ansichten beschränkt sind. Aber nicht nur bei sicherheitsrelevanten Anwendungen ortet der Wissenschaftler Potenzial. "Unsere Arbeit könnte auch für Programmierer interessant sein, die Robotern beibringen wollen, wie sie lernen und dann Haushaltgegenstände aus verschiedenen Blickwinkeln erkennen können", sagt Dyer. Die blickwinkelunabhängige Erkennung von Objekten sei ein sehr schwieriges visuelles Problem. "Es ist eine große Erkenntnis, jetzt zu wissen, wie miniaturisierte Gehirne das lösen", meint der Forscher abschließend.
ptat

Samstag, 5. Juli 2008

Menschliche Maschinen?

Im Rahmen "der Studien zur nächsten Gesellschaft" steht Prof. Dr. Dirk Baecker, Inhaber des Lehrstuhls für Kulturtheorie und -analyse an der Zeppelin- Universität in Friedrichshafen, Red und Antwort zur künstlichen Intelligenz.

Mittwoch, 10. Januar 2007

KI revolutioniert Wetterprognosen

In einer Forschungskooperation des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität Wien mit der Firma Sun Microsystems und dem Austro Control Flugwetterdienst wurde erstmals ein neuartiges Analyseverfahren entwickelt, das eine Kürzestfristvorhersage von Wetterlagen ermöglicht. "Da nicht überall Windmesser aufgestellt werden können und meteorologische Beobachtungsdaten somit sehr rasch an Aktualität verlieren, ermöglicht das neue Verfahren vor allem für die Luftfahrt Wettervorhersagen in Echtzeit", erklärt Markus Kerschbaum, Leiter der Entwicklungsabteilung der Flugmeteorologischen Abteilung der Austro Control.
Meteorologische Beobachtungsdaten bringen immer dann den größten Nutzen, wenn diese möglichst ohne Zeitverzögerung für die Diagnose und kurzfristige Prognose der Wetterlagen zur Verfügung stehen. "Vor dieser Problemstellung entwickeln wir mit unseren Partnern derzeit ein System, das diese Mängel behebt und Datenlücken sinnvoll auffüllt, sich robust gegenüber Fehlern erweist und alle nötigen Informationen sofort verfügbar macht", meint der Experte. Die bereits seit einigen Jahren im Entwicklungsstadium befindliche Methode für Kürzestfristvorhersage (Nowcasting) und Modellüberprüfung (Validierung) namens "Vienna Enhanced Resolution Analysis" (VERA) basiert auf der Miteinbeziehung unterschiedlicher Untergrundprofile, durch die eine Beeinflussung der Atmosphäre hervorgerufen wird. "Das intelligent und äußerst präzise arbeitende System ermöglicht somit hochwertige meteorologische Analysen auch ohne, dass ein aufwendiges Prognosemodell erstellt wird", so Kerschbaum.
Getestet wird das System bereits in der Praxis durch den Austro Control Flugwetterdienst, der für die Luftfahrt teilweise VERA-Produkte in Anspruch nimmt. Dies erscheint sinnvoll, da Kerschmann die Rentabilität der Entwicklungen in den Vordergrund rückt: "Schon eine Minute Verspätung eines Fliegers kostet die Fluggesellschaft rund 80 Euro, so dass sich das Produkt allein von dieser Kosten-Nutzen-Rechnung betrachtet mit Sicherheit auszahlen wird." In der auf vorerst drei Jahre beschränkten Kooperation stellt Sun Microsystems mit seinen Servern und Workstations ein technisch hoch entwickeltes System zur Verfügung. Das von den drei Kooperationspartnern gegründete Center of Exellence für Meteorologische Analyse und Nowcasting (COE-MAN) soll in der vorgegebenen Projektdauer ein marktfähiges Software-Paket entwickeln.
ptat

Freitag, 8. September 2006

KI-Beschleunigerchip für PC-Spiele

Aiseek arbeitet an einem Beschleunigerchip für KI-Berechnungen in Computerspielen. Der Intia-Prozessor soll Low-Level-Aufgaben von computergesteuerten Charakteren (NPCs) deutlich schneller berechnen als herkömmliche CPUs. Dazu gehören beispielweise Wegfindungsroutinen. Laut Aiseek könne der Initia-Prozessor 100 Wegpunkte (Nodes) in nur 10 µs berechnen und sei damit 100- bis 200-mal schneller als normale Hauptprozessoren. Die NPCs könnten auch das Terrain schneller analysieren und wichtige Kontrollpunkte besser erreichen. Ebenso beschleunige der Intia-Prozessor Sichtlinienberechnungen, die für die sensorischen Fähigkeiten von NPCs eine grosse Rolle spielen. Der Chip könne sämtliche Sichtlinien zwischen zwei Gruppen mit jeweils 512 Charakteren in nur 0,02 Sekunden berechnen.
[ mehr ]

Freitag, 21. Juli 2006

Interview mit Marvin Minsky

Ein aufschlussreiches Interview mit der MIT-Ikone Marvin Minsky über aktuelle Forschungsansätze der künstlichen Intelligenz (KI) - und warum er glaubt, dass seine Kollegen über Jahre in die falsche Richtung dachten.

Freitag, 14. Juli 2006

Zu 50 Jahre Künstliche Intelligenz

Prominente Forscher im Bereich der künstlichen Intelligenz versammelten sich diese Woche auf dem Monte Verità. Vor 50 Jahren war diese Disziplin begründet worden.
S. B. «Der Monte Verità ist eine Schule für höheres Leben, eine Stätte für Entwicklung und Sammlung erweiterter Erkenntnisse und erweiterten Bewusstseins, befruchtet vom Sonnenstrahl des Allwillens», so beschrieb Ida Hofmann zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts den Rebberg oberhalb von Ascona, auf dem sie mit Freunden ein vegetarisches Sanatorium eröffnet hatte. Hier sollte die Menschheit an Lichtluftbädern und Nackttänzen gesunden.
Auf dem Monte Verità versammelte sich zu Beginn dieser Woche das, was übrig bleibt von den Menschen, wenn man von einigen Zufälligkeiten ihrer Existenz - Fleisch und Blut - abstrahiert: Petflaschen stolzierten über den Parkettboden, ein hüpfendes Eisengestell verteidigte ein Stück Teppich, daneben marschierte ein Paar Eisenfüsse ohne Oberkörper unentwegt im Kreis. Über einem Unterleib aus Holz, einem Brustkorb aus weissen Plastic-Knochen und einem Gewirr von Elektrokabeln und Bowdenzügen thronte ein Kopf mit einem Kameraauge. Dahinter, hinter durchsichtigen weissen Vorhängen, glänzte im Sonnenlicht der Lago Maggiore.
Goldgräberstimmung
Diese Kreaturen wurden gebaut, um künstliche Intelligenz (KI) zu erforschen. Der Begriff «Artificial Intelligence» wurde vor 50 Jahren geprägt im Zusammenhang mit einer Konferenz, die im Sommer 1956 am Dartmouth College in New Hampshire (USA) stattfand. Die Konferenz war von John McCarthy (Dartmouth College), Marvin Minsky (Harvard University), Nathaniel Rochester (IBM) und Claude Shannon (Bell Laboratories) organisiert worden. Sie wollten sich zusammen mit Kollegen - Allen Newell beispielsweise und Herbert Simon - mit der Frage beschäftigen, wie Intelligenz mittels Maschinen simuliert werden kann.
Es eröffnete sich ihnen jenseits von Mathematik, Physik, Biologie und Psychologie ein weitläufiges neues Forschungsfeld, sie stiessen auf ein Geflecht von spannenden Fragen, hinter denen sie Erkenntnisse vermuteten, die sowohl die Computerwissenschaft wie auch die Humanwissenschaften revolutionieren könnten. Bald schlossen sich ihnen rund um die Welt an Universitäten und privaten Forschungsstätten Hunderte von Wissenschaftern an. Es herrschte Goldgräberstimmung, es schien, als ob es kein Problem gäbe, das nicht mit KI im Rahmen eines Sommerkurses zu lösen wäre. Computer sollten geheime russische Dokumente auf Englisch übersetzen und zusammenfassen, Computer sollten Ölfelder explorieren, Krankheiten diagnostizieren, Börsengewinne realisieren.
Gipfeltreffen
Auf dem Monte Verità im Centro Stefano Franscini, dem Konferenzzentrum der ETH Zürich, versammelten sich diese Woche einige der berühmtesten KI-Forscher der Welt. Eingeladen hatte Rolf Pfeifer, Leiter des Artificial Intelligence Laboratory der Universität Zürich. Gekommen waren unter anderem Cynthia Breazeal (MIT Media Lab), Rodney Brooks (MIT Computer Science and Artificial Intelligence Lab), Akio Ishiguro (Tohoku University), Owen Holland (University of Essex), Nils Nilsson (Stanford University) und Luc Steels (Sony).
Beim «50th Anniversary Summit of Artificial Intelligence» auf dem Monte Verità ging es nicht nur darum, ein Jubiläum zu feiern, sich auf die Schultern zu klopfen, alte Freundschaften zu pflegen und die Gläser immer voll zu halten. Es sollten auch Fehler der Vergangenheit zur Sprache kommen, und es sollte das Paradigma einer «neuen KI» breiter abgestützt werden. Die Vorstellung, dass intelligentes Verhalten eine Rechenaufgabe sei, bei der eine Zentraleinheit Symbole oder Regeln, die die Aussenwelt abbilden, manipuliert, diese Vorstellung ist typisch für die «good old fashioned AI» (GOFAI). Es hat sich aber in jüngster Zeit ein neues Paradigma durchgesetzt, das davon ausgeht, dass Intelligenz nicht verstanden werden kann, wenn man den Körper, an den sie gebunden ist, ausser acht lässt. Wichtige Vertreter dieser «new AI» sind Pfeifer und Brooks. «Intelligenz ist körperlich», sagt Pfeifer, «und um sie zu verstehen, hilft es, Roboter zu bauen. Aber ich will nicht einfach die Natur nachbauen, ich will die Prinzipien verstehen, die dahinterstecken.»
Künstliches Bewusstsein
Nils Nilsson, einer der Gründerväter der KI, verglich in seinem Eröffnungsreferat den Weg, den er und andere Wissenschafter in den vergangenen 50 Jahren beschritten haben, mit einer Bergtour. Das Ziel: «human-level artificial intelligence» - KI, die mit menschlicher Intelligenz vergleichbar ist. Am Anfang, im Basislager, habe man geglaubt, der Gipfel sei zum Greifen nah. Doch je länger die Wanderung dauerte, desto mehr entfernte sich das Ziel. Doch nach wie vor hält Nilsson an der ursprünglichen Vision fest: Es gelte den Gipfel zu bezwingen, nur schon deshalb, weil es ihn gebe.
Rodney Brooks plädierte für ein evolutionäres Vorgehen: «Heute einen Wurm, morgen den Menschen». Owen Holland verschmähte den Ohrwurm. «Lasst uns direkt auf den Menschen losgehen», forderte er. «Wir Menschen sind der Beweis, dass es Intelligenz gibt. Lasst uns Intelligenz bauen. Was überhaupt ist Intelligenz? Es ist Voraussage, Voraussage, Voraussage. Wie kommen Voraussagen zustande? Durch modellbasierte Simulation. Was muss modelliert werden? Unsere Körper, die Welt und die Interaktion der Körper mit der Welt. Ist das möglich? 1956 war das nicht möglich, 1996 auch noch nicht, heute könnte es gelingen.»
Während Holland erklärt, wie er mit Mitarbeitern einen Roboter baut, der mit Knochen, Muskeln und Sehnen äusserlich einem Menschen ähnlich sehe, projiziert er auf die Leinwand das Bild einer von Gunther von Hagen präparierten Leiche, die Schach spielt. «Mit KI sollten wir uns nicht zufrieden geben, wir brauchen auch noch künstliches Bewusstsein.» Holland spricht laut und schnell, wie einer, der ein politisches Manifest verliest. Doch das Publikum lässt sich von seiner Unruhe nicht anstecken. Es hat in der Geschichte der KI nicht an hitzigen Diskursen und tumultuösen Debatten gefehlt. Formale Logik, Konnektionismus, neuronale Netzwerke, genetisches Programmieren, Knowledge Engineering, Expertensysteme, statistische Interferenz, Fuzzy Logic - immer wieder neue Slogans versprachen den raschen Erfolg, immer wieder wurden die Hoffnungen enttäuscht.
Das Forschungsprogramm der KI, so sagte Minsky 1967, die Aufgabe, sämtliche intellektuellen Prozesses des Menschen mit Hilfe von Computerprogrammen nachzubilden und künstliche Intelligenz zu erzeugen, dieses Forschungsprogramm lasse sich innerhalb einer Forschergeneration grösstenteils bewältigen. Etwas kleinlaut vertraute er 1982 einem Reporter an: «Das KI-Problem ist eines der schwierigsten Probleme, an die sich die Wissenschaft je herangewagt hat.» In jüngster Zeit macht Minsky seiner Enttäuschung mit verbalen Angriffen auf KI-Forscher Luft: Die KI-Forscher seien Feiglinge, die sich von intellektuellen Modeströmungen mitreissen liessen und die das ursprüngliche Forschungsprogramm aus den Augen verloren hätten.
Für Minsky liegt die Ursache des Scheiterns darin, dass die KI-Forscher vergessen hätten, den Computern auch den gesunden Menschenverstand beizubringen. Einem Computer müsse man erst einmal beibringen, dass man mit einer Schnur etwas ziehen, aber nicht stossen könne. Doch auch diese Forderung einer Neuausrichtung der KI-Forschung ist alt, das Beispiel mit der Schnur findet sich in einem Memo des KI-Labors des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Jahr 1973. Seit 1984 ist ein Forscher namens Doug Lennat, unterstützt von Dutzenden von Mitarbeitern, damit beschäftigt, einen Computer namens Cyc mit Common Sense zu füttern. Cyc - das letzte Aufbäumen der GOFAI - soll mittlerweile 300 000 «Konzepte» kennen wie «Himmel» oder «blau» und rund drei Millionen Verknüpfungen wie die, dass der Himmel blau sein kann. Es seien aber, so vertraute Lennat kürzlich dem «New Scientist» an, erst zwei Prozent des Alltagswissens, das für Intelligenz notwendig sei, beisammen.
Alternativen
Als sich im Sommer 1956 am Dartmouth College eine Gruppe von Physikern und Mathematikern daranmachte, neuartige Computeranwendungen zu entwickeln, nannten sie dieses Gebiet, einem Vorschlag McCarthys folgend, «künstliche Intelligenz». Es waren aber auch noch andere Bezeichnungen vorgeschlagen worden. Newell und Simon hätten «complex information processing» bevorzugt. Es ist gut möglich, dass die Geschichte dieses wissenschaftlichen Unternehmens unter anderen Namen einen anderen Verlauf genommen hätte. «Intelligenz» ist ein schwer zu definierender, vielfältig schillernder Begriff. Es gibt Aufgaben - Gesichter erkennen oder natürliche Sprache verstehen -, die Menschen ohne die geringste intellektuelle Anstrengung meistern, an denen Computer aber auch heute noch scheitern. Umgekehrt gibt es Probleme - lange Zahlenkolonnen manipulieren -, die Computer mit Leichtigkeit erledigen, die aber Menschen Mühe bereiten. Durch die Fixierung auf «Intelligenz», auf eine Besonderheit menschlichen Verhaltens, wurden - so ist zu vermuten - viele Computerwissenschafter zu fruchtlosen Thesen und Theorien verleitet, auf die sie sich im Rahmen eines «complex information processing» nie eingelassen hätten.
Nun benötigen aber viele Programme, die menschliche Intelligenz nachahmen wollen, Algorithmen und Datenstrukturen für das «complex information processing». Und diese Algorithmen und Datenstrukturen sind das Erbe, das 50 Jahre KI hinterlassen haben. Es gibt zwar kein robustes, alltagstaugliches Programm, das natürliche Sprache «verstehen» und auch übersetzen oder zusammenfassen kann; es gibt keine Software, die «sehen» und beispielsweise in einem Zimmer die typischen Einrichtungsgegenstände - Tisch, Stühle, Gestelle - zuverlässig lokalisieren kann. Aber es gibt diese Algorithmen und Datenstrukturen, die heute in Bereichen zum Einsatz kommen, in denen man ihnen ihre Herkunft nicht ansieht.
Den Einfluss der KI auf unser Leben könne man nicht hoch genug einschätzen, sagt Pfeifer. Google beispielsweise sei ohne KI-Forschung undenkbar. Grenzen hätten sich aufgelöst, KI sei selbstverständlicher Teil von anderen Disziplinen geworden. Vieles von dem, was einst KI war, sei heute einfach gute Informatik.
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