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Literatur

Mittwoch, 15. Februar 2012

Vernichtungsversuch an Christian Kracht

Hubert Spiegel ist der Ansicht, dass der Spiegel-Autor Georg Diez versucht, Christian Kracht zu vernichten, indem er ihn in die rechte Ecke stellt und den Neonazis zurechnet.
    Man stelle sich vor, ein Schweizer Schriftsteller schriebe den folgenden Satz: «Ein Jude, eine Frau und ein Schwarzer, das ist die Schweiz, das ist die neue Welt.» Was würde passieren? Aufschrei, Empörung, Skandal? Vermutlich. Denn nicht wenige Leser würden denken, hier ziehe ein antisemitischer frauenfeindlicher Rassist hohnlachend vom Leder.
    Der zitierte Satz stammt tatsächlich von ­einem Schweizer Schriftsteller. Er findet sich in Christian Krachts Roman «Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten», der vor vier Jahren erschien. Aber niemand nahm Anstoss, niemand schrie auf. Denn im Roman kommt der Satz aus dem Munde eines Juden, der gerade mit der schwarzen Hauptfigur des Romans über die eigene Ehefrau spricht.
    [...]
    Der Spiegel räumt seinem Autor Georg Diez vier Seiten ein, viel Platz für eine Rezension. Aber es geht gar nicht um Literaturkritik, sondern um einen veritablen Vernichtungsversuch. Das Nachrichtenmagazin will Kracht als «Türsteher der rechten Ge­danken» entlarven, an dem sich studieren ­lasse, «wie anti­modernes, demokratiefeind­liches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream». Mit anderen ­Worten: Es geht darum, einen Literaturskandal anzuzetteln.

Debatte um Christian Krachts "Rechtslastigkeit"

Christian Krachts Roman "Imperium", verlegt von Kiepenheuer & Witsch, erscheint am 16. Februar - und ist bereits vorher umstritten. Vorab der Klappentext
    In »Imperium« erzählt Christian Kracht eine Aussteigergeschichte in den deutschen Kolonien der Südsee, indem er virtuos und gut gelaunt mit den Formen des historischen Abenteuerromans eines Melville, Joseph Conrad, Robert Louis Stevenson oder Jack London spielt.

    Die Welt wollte er retten, eine neue Religion stiften, gar ein eigenes Reich gründen – eine Utopie verwirklichen, die nicht nur ihn selbst, sondern die Menschheit erlöst, fernab der zerstörerischen europäischen Zivilisation, die gerade aufbricht in die Moderne und in die Katastrophen des Ersten und Zweiten Weltkriegs.Doch in der Abgeschiedenheit der Südsee, in einer Kolonie des wilhelminischen Deutschland, gerät ein von einem vegetarischen Spleen besessener Sonnenanbeter in eine Spirale des Wahnsinns, die die Abgründe des 20. Jahrhunderts ahnungsvoll vorwegnimmt.In seinem vierten Roman zeichnet Christian Kracht die groteske, verlorene Welt von Deutsch-Neuguinea, eine Welt, die dem Untergang geweiht ist und in der sich doch unsere Gegenwart seltsam spiegelt.Zugleich aber ist Christian Krachts »Imperium« eine erstaunliche, immer wieder auch komische Studie über die Zerbrechlichkeit und Vermessenheit menschlichen Handelns.
Und hier die Kurz-Rezensionen
    »Ganz und gar meisterhaft«
    Die Zeit

    »So entspannt, so lustvoll wie in Imperium las sich der Autor noch nie. Es liegt eine große Heiterkeit über diesem Buch. Was Daniel Kehlmann mit der Vermessung der Welt unter anderem gelang, nämlich die Neuerfindung des historischen Romans mit den Mitteln der Sprache und höherer Ironie, das schafft Kracht hier für das Genre Abenteuerroman.«
    Felicitas von Lovenberg, FAZ

    »Wie in einer Luftspiegelung erscheint das historische Deutschland in diesem Buch am anderen Ende der Welt, und alles ist da: Schrecken und Hochgefühl, böser und süsser Wahn, Enge und Weite der Gedanken in den Köpfen. Nur ein phantastischer Erzähler kann das: uns so in die Ferne zu führen und uns doch wieder im Zentrum unseres Selbstverständnisses ankommen zu lassen.«
    Alexander Fest, Verleger/Rowohlt Verlag

    »Mit wachsender Bewunderung habe ich Imperium von Christian Kracht gelesen. Ein Roman, der in seiner Thematik und sprachlichen Kraft an Joseph Conrads Herz der Finsternis erinnert.«
    Uwe Timm

    »Ein Meisterwerk … einzelne Szenen sind mit ihrem Humor unvergesslich.«
    Die Welt

    »Einen Satz über Christian Krachts Roman Imperium zu sagen, ist, als wollte man Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten in einen Orangenkern eingravieren. Vielleicht in eine Kokosnuß? Der Kokovore auf seiner Südseeinsel würdesie irgendwann verzehren, und die Schrift wäre dann weg. Aber im Hintergrund würden sich dann immer noch schattenhafteSchicksalsgebirge auffalten: die deutsche Geschichte hinter den Aussteigern, die sie gemacht haben, indem sie ihr entkommen sind, als der böse Schicksalszug einen Augenblick angehalten hat. Ein Abenteuerroman. Kein Zweifel. Daß es das noch gibt.«
    Elfriede Jelinek

    »Ein historischer Roman der besonderen Art«
    FAS
Was fehlt, ist diejenige von Georg Diez, die viel Staub aufgewirbelt und Kracht in die rechte Ecke gestellt hat. Auf der vorverlegten Schiene von Diez laufen jetzt andere Rezensenten Sturm - dafür und dagegen.
Andreas Fanizadeh (taz) liest in dem Roman eher "spleenige Leere" als rechtsradikales Gedankengut. Allerdings wundert er sich über die Reaktion von Kiepenheuer & Witsch auf die diezsche Rezension.
    Doch dann erschien zu Wochenbeginn in Der Spiegel ein Artikel von Georg Diez: "Die Methode Kracht". Diez behauptet, Krachts "Imperium" sei "von Anfang an durchdrungen von einer rassistischen Weltsicht". Er hält Krachts Spiel mit dem kolonialen Blick des ausgehenden 19. Jahrhunderts also nicht nur für literarisch misslungen. Er unterstellt ihm eine konsequent rechte Gesinnung: "An seinem Beispiel kann man sehen, wie antimodernes, demokratiefeindliches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream." Kracht sei "der Türsteher der rechten Gedanken".
    Dagegen verwahrt sich nun seinerseits sein Verlag Kiepenheuer & Witsch. Am Montagnachmittag ließ er verbreiten, der Spiegel-Artikel sprenge "die Grenzen der Literaturkritik". Mit "atemberaubenden Verdrehungen" werde der Versuch unternommen, Kracht "aus dem Kosmos der deutschsprachigen Literatur" auszugrenzen. "Imperium", so der Kölner Verlag, sei von einer Vielzahl von Autoren und Journalisten hoch gelobt worden. "Niemand hat auch nur ansatzweise einen Zusammenhang zu Rassismus und totalitärem Denken darin gefunden." Niemand, wirklich? Das ist allerdings bedenklich.
Felicitas von Lovenberg kritisiert Georg Diez. In ihren Augen geht der Journalist "dem schweizerischen Schriftsteller voll auf den Leim."
    Über vier Seiten wird der Schriftsteller Christian Kracht anlässlich seines neuen Romans "Imperium" von Georg Diez als faschistischer Provokateur und "Türsteher rechter Gedanken" verunglimpft, an dessen Beispiel man sehen könne, "wie antimodernes, demokratiefeindliches, totalitäres Denken seinen Weg findet hinein in den Mainstream". Um das zu begründen, vollzieht der Verfasser eine halsbrecherische Engführung von entlegenen Zitaten Krachts aus der Vergangenheit mit Stellen aus dem neuen Buch.

Montag, 13. Februar 2012

Elias Canetti und das ewige Leben

Elias Canetti war ein wunderbarer Zeitzeuge des letzten Jahrhunderts. 1981 erhielt er den Nobelpreis für seinen Ideenreichtum, seine gestalterische Kraft.
Nicht alles, was in diesem Artikel steht, entspricht den Tatsachen; dazu ist er zu schnoddrig. Trotzdem lohnt es, ihn zu lesen.

Dienstag, 7. Februar 2012

Dem Schriftsteller Klaus Theweleit zum 70.

Caroline Fletcher gratuliert Klaus Theweleit zu 70.
Der Inspirator und Bettina Schulte tut dasselbe.

E.S.

Charles Dickens zum 200. Geburtstag Linksammlung

von E.S.
Schon zu Lebzeiten war der Schriftsteller Charles Dickens ein absoluter Superstar. HEUTE, am 7. Februar jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal.

Gutes tun - und kaum darüber reden / Von Elke Zimmermann

Die Welt feiert den ewig aktuellen Charles Dickens / Von Britta Gürke

Schnell, feinfühlig, verletzbar / Von Wolf Scheller

Der Mann, der mehr wollte / Von Judith von Sternburg

Dickens hat alle literarischen Regeln gebrochen / Von John Mullan

Charles Dickens, der Popstar / Von Christian Schacherreiter & Evelyn Baier

Gerechtigkeit gibt es nur in dieser Welt / Von Gregor Dotzauer

Schöpfer realistischer Milieubilder / Von Ute Grundmann

Charly und die Schuhwichsfabrik / Von Britta Heidemann

Ein Moralist als Anwalt der Armen und Wehrlosen / Von Andreas Hillger

Montag, 16. Januar 2012

Emine Sevgi Özdamar erhielt Alice-Salomon-Poetik-Preis

Emine Sevgi Özdamar wurde der Alice-Salomon-Poetik-Preis verliehen. Harald Jähner wüdigt in der Laudatio die Sprachkunst einer Autorin, die die deutsche Sprache erst mit 19 Jahren lernte.

Dienstag, 10. Januar 2012

Preis für den Verriss des Jahres

In Großbritannien werden böse Literaturkritiken mit einem neuen Preis gewürdigt. Der "Hatchet Job of the Year Award" wird an die "zornigste, lustigste und schärfste" Rezension verliehen, die 2011 in einer britischen Tageszeitung erschien.
Das Kulturkritikportal The Omnivore hatte die Auszeichnung ins Leben gerufen. Sie wird am 7. Februar verliehen. Der/die GewinnerInnen erhält eine Jahresration eingelegter Garnelen vom Stifter der Preises. Einem Fischhändler.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Umberto Ecco - Linksammlung zum 80.

Umberto Eco zum 80. Geburtstag
Linksammlung von E.S.

Artikel
von Martin Halter

von Daniela Stahl

von Franz Haas


von Peter von Becker


von Marc Reichwein


von Andreas Hilger

von Peter Mohr
http://www.suedkurier.de/news/kultur/kultur/Der-dichtende-Professor;art410935,5308891

von Hartmut Wilmes

von Bettina Fraschke und Werner Fritsch

Sonntag, 1. Januar 2012

Zum Tod von Charlotte Kerr

Charlotte Kerr, die zweite Frau und Witwe des Schweizer Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt ist tot. Sie starb am Mittwoch 84-jährig in einem Berner Spital, wie die Charlotte-Kerr-Dürrenmatt-Stiftung mitteilte.
Charlotte Kerr, Regisseurin und Schauspielerin, war von 1984 bis 1990 mit Friedrich Dürrenmatt verheiratet. Sie war nach seinem Tod die treibende Kraft hinter dem von Mario Botta entworfenen Centre Dürrenmatt in Neuenburg. Kerr inspirierte Dürrenmatt zu einigen seiner Spätwerke, wie zum Beispiel "Der Beobachter". ["Ich dichte dich um den Verstand. Dann reichst du mir deine Hand. Um meine Verse nicht mehr zu hören. Wirst du mir ewige Treue schwören." Friedrich Dürrenmatt] Kerr hat ihr Leben mit Dürrenmatt in ihrem Buch "Die Frau im roten Mantel" beschrieben.

Samstag, 17. Dezember 2011

Der literarische Hundekalender

Die Edition Martin Gold bringt in diesem Jahr zum siebten Male den literarischen Hundekalender heraus. Die Autorin Monika Maron und ihr Hund Bruno zieren das Titelblatt,- fotografiert wurden sie von Jim Rakete.
    "Solange Menschen denken, dass Tiere nicht fühlen,
    müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken." Schopenhauer
Wie recht er doch hat!!!
E.S.

Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

Ethisch widerliche Stimmungsmache....
Ethisch widerliche Stimmungsmache. Allerdings primär...
Orgon (Gast) - 15. Feb, 23:07
Tja, aber das
will doch keiner. Die wiederkauen die alten Zöpfe,...
anaximander - 15. Feb, 22:57
Letzteres
glaube ich auch. Die sind unbelehrbar.
anaximander - 15. Feb, 22:53
Nicht neu - aber absolut...
Solche Studien suggerieren, dass es sich bei der gesamten...
Gilbert-rgbm - 15. Feb, 22:16
In der Tat eine erschreckende...
Im Nationalsozialismus gab es immerhin Mutterkreuze...
Gilbert-rgbm - 15. Feb, 22:11
Markus Lanz. Wetten dass.
Markus Lanz. Wetten dass. Was ist langweiliger? Markus...
lolita (Gast) - 15. Feb, 21:33
Vernichtungsversuch an...
Hubert Spiegel ist der Ansicht, dass der Spiegel-Autor...
anaximander - 15. Feb, 19:57
Bögerl-Kinder erheben...
Zwei Jahre nach dem Entführungsdrama um ihre Mutter...
anaximander - 15. Feb, 19:14
Markus Lanz - "Wetten,...
Noch hat er dem ZDF keinen Korb gegeben, der Markus...
anaximander - 15. Feb, 17:59
Gelotophobie
Endlich ist sie gefunden, die neue Krankheit, nach...
anaximander - 15. Feb, 17:34
Die SVP ist schuld
Wenn in Norwegen bei einer Testfahrt ein Zug entgleist,...
anaximander - 15. Feb, 17:24
Rudi-Carell-Khomeini-Skand al...
Vor exakt 25 Jahren hat Rudi Carell eine schwere diplomatische...
anaximander - 15. Feb, 14:39
EU-Studie entlarvt den...
Ulli Kulke berichtet von einer von der EU in Auftrag...
anaximander - 15. Feb, 14:34
Marcus Hellwig über...
Marcus Hellwig war fast fünf Monate gefangen in...
anaximander - 15. Feb, 14:05
Debatte um Christian...
Christian Krachts Roman "Imperium", verlegt von Kiepenheuer...
anaximander - 15. Feb, 11:53
Zur Nazi-Satire Iron...
finden Sie hier ein Interview mit dem Regisseur von...
anaximander - 15. Feb, 09:50
Die düsteren Europa-Visionen...
In seinem Tagebuch schreibt Bernard-Henry Lévy...
anaximander - 15. Feb, 09:38
Strafsteuer für...
Deutschland möchte die Frauen, die keine Kinder...
anaximander - 15. Feb, 08:49
Wenn die Löhne
schrumpfen und die Renten, kann die Binnenwirtschaft...
anaximander - 14. Feb, 23:26
unverständlich
Der Staat ist pleite, nicht die Wirtschaft. Also wieso...
Gilbert-rgbm - 14. Feb, 22:29

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