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Literatur

Dienstag, 25. November 2008

Dankesrede von David Grossman

In seiner Dankesrede für den Geschwister-Scholl-Preis spricht der israelische Schriftsteller David Grossman von dem Gefühl der Kränkung, das die Shoah noch immer bei ihm auslöse und das Erkämpfen von Freiräumen, um sich davon zu lösen "Nicht, dass ich wirklich verstanden hätte, wie ein Mensch sich selbst so auslöschen kann, dass er Bestandteil einer Vernichtungsmaschine wird. Nicht, dass die militärische Besatzung enden würde, wenn ich ihre Untaten nur möglichst genau beschriebe. Doch meine innere Einstellung zu dem Unabänderlichen änderte sich dann. In dem Moment, wo ich zu schreiben begann, stand ich jedweder Willkür nicht mehr dort gegenüber, wo ich vor dem Schreiben verharrt war. In Situationen, die mir wie ewig, absolut und monolithisch vorgekommen waren, taten sich mir neue Nuancen auf. Ich erschuf mir eine gewisse Bewegungsfreiheit. Gegenüber dem Unabänderlichen, was mich vorher mit Angst und Verzweiflung gelähmt hatte, wurde ich frei. Ich war kein Opfer mehr."

Samstag, 22. November 2008

Erinnerungen an D. H. Lawrence

Paula Fox erinnert sich an D.H. Lawrence und seine Frau Frieda, die nach ihrer Ansicht eine seltsame Liebe lebten. "Ich war die Erste auf dem Pfad zu Friedas Haus. Atemlos drückte ich gegen die Tür und spürte einen weichen Widerstand, so als ob Kissen hinter ihr gestapelt wären. Doch es war Friedas üppiges Hinterteil. In eben diesem Augenblick bückte sie sich zur Ofenklappe. Ich erspähte eine Pfanne voller verbrannter Cracker mit geschmolzenem Käse. 'Wenigstens', sagte sie zu mir, als sie sich, die Pfanne mit einem Küchentuch haltend, aufrichtete, 'ist Lawrence nicht da, um mich für meine Ungeschicklichkeit zu schelten' - und wies mit dem Kinn auf Käse und Cracker. Dann lachte sie, ein heiseres, reizendes Geräusch."

Freitag, 21. November 2008

Reich-Ranicki versus Ulla Unseld-Berkewicz

Marcel Reich-Ranicki hat einen weiteren Streit vom Zaune gebrochen, berichtet Tilman Krause, diesmal mit Suhrkamp-Verlegerin Unseld-Berkewicz, die ihn nicht loslassen wollte. Marcel Reich-Ranicki OTon:""Mit Ulla Unseld-Berkéwicz zu tun zu haben, ist eine Qual""Dem stimmen andere ganz gewiss zu...

Donnerstag, 20. November 2008

Reich-Ranickis Watschen für Heidenreich

Berthold Seewald hat in Cicero ein Interview mit Marcel Reich-Ranicki gefunden, in dem MRR Elke Heidenreich, die ihm so eilfertig zur Seite sprang, nochmal kräftig abwatscht."Auch bei den Bücherfreunden gibt es Unterschiede. Zwischen Männern und Frauen zum Beispiel.
Es sei eine Tatsache, gibt Reich-Ranicki im neuen "Cicero" zu Protokoll, "dass die Sendungen der Elke ein großes Publikum erreichten, vor allem Frauen ... Es war halt eine Sendung für Frauen. Und es ist tatsächlich so, dass mehr Frauen als Männer Bücher lesen."

Montag, 17. November 2008

Lesen Sie Muschg?

Die Verleihung des Schweizer Buchpreises hatte an ihrer ersten Austragung gleich auch ihren ersten Eklat. Der Schriftsteller Adolf Muschg, 74, emeritierter Literaturprofessor, Büchner-Preisträger und ehemaliger Präsident der Akademie der Künste in Berlin, zog seinen diesen Herbst publizierten und auf die Shortlist für den Buchpreis gesetzten Roman «Kinderhochzeit» wieder aus dem Rennen. Er tat dies am Samstagabend, völlig unverhofft, unmittelbar nach seiner Lesung an der Buch 08 in Basel und nur Stunden vor der Buchpreisverleihung.
Offiziell begründet hat Muschg seinen Rückzug in letzter Minute nicht. Entsprechend kurz und sichtlich irritiert reagierte an der gestrigen Preisverleihung auch die Geschäftsführung des Schweizer Buchpreises. Der Wortlaut ihrer Stellungnahme: Wir bedauern diese Entscheidung, akzeptieren sie aber selbstverständlich. Verwundert sind wir über den Zeitpunkt der Ankündigung. Der Suhrkamp-Verlag, in welchem das Buch von Adolf Muschg erschienen ist, hat dieses in Kenntnis der Bedingungen eingereicht. Die Nomination für die am 30. September präsentierte Shortlist hat Herr Muschg persönlich angenommen und verdankt. Ebenfalls teilgenommen hat er an der Präsentation der Nominierten an der Frankfurter Buchmesse.
Tatsächlich stellen sich nach Muschgs brüskem Rückzug ein paar Fragen: Warum hat Adolf Muschg sich nicht von Anfang an dagegen gesträubt, dass sein Roman überhaupt in die Schlussrunde steigt? Hat Adolf Muschg so kurzfristig reagiert, weil er spätestens an der Buch 08 merken musste, dass seine «Kinderhochzeit» das Rennen nicht machen wird und er das als Doyen der Schweizer Literatur lieber nicht erleben wollte?
Seit gestern spricht man von Muschg - auch das ist Marketing...

Samstag, 15. November 2008

Josef Winkler - Laudatio und Dankesrede

Was lange währt, wird endlich gut - oder so. Endlich ist die Laudatiovon Ulrich Weinzierl auf den Büchnerpreisträger Josef Winkler und dessen Dankesrede nachzulesen.

Der Raucher

Peter Bichsel ist es leid, dass das Leben nur noch von Gesundheitstalibans gesteuert wird. Er rauche Zigaretten und Zigarren, erklärt Bichsel in echt bichselscher Manier, aber das mache ihn noch lange nicht zum Raucher; er wandere ab und zu, was ihn auch nicht zum Wanderer mache."Die Bezeichnung Raucher und Nichtraucher habe ich nicht als Bezeichnungen von Menschen kennengelernt, sondern als Bezeichnungen von Eisenbahnwagen – die eine Seite war mit «RAUCHER» beschriftet, die andere Seite mit «NICHTRAUCHER». Aber eigenartigerweise rauchten im «Raucher» nicht alle, aber im «Nichtraucher» rauchten alle nicht."

Montag, 10. November 2008

Prix Goncourt für Atiq Rahimi

Der aus Afghanistan stammende Schriftsteller Atiq Rahimi hat in diesem Jahr den wichtigsten französischen Literaturpreis, den Prix Goncourt, gewonnen. Der 46-jährige Rahimi bekam den Preis für sein jüngstes Buch "Syngué sabour: La pierre de patience" - "Der Stein der Geduld" - zugesprochen. Der Roman erzählt von einer afghanischen Frau, die sich aus den Fesseln der gesellschaftlichen und religiösen Unterdrückung befreit.
Rahimi wurde 1962 in Kabul geboren, studierte Literatur an der Universität Kabul und arbeitete als Filmkritiker. 1984 floh er vor dem afghanischen Krieg gegen die Sowjetunion nach Frankreich, inzwischen besitzt er auch die französische Staatsbürgerschaft. Rahimi promovierte an der Pariser Sorbonne im Fachbereich audio-visueller Kommunikation und begann 1996 mit der Arbeit an "Erde und Asche". Das Buch, das als Antwort auf das neue Taliban-Regime galt und vom Trauma des Krieges handelt, wurde zum Bestseller und 2004 verfilmt. Rahimi führte selbst die Regie.
Seit der amerikanischen Invasion im Jahr 2001 engagierte sich Rahimi auch wieder für das kulturelle Leben in Afghanistan. So gründete er das "Writers House" in Kabul, einen Club für Schriftsteller.
[ mehr ]

Sonntag, 9. November 2008

Freiheitspreis für Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa erhielt am Samstag in der Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis der Friedrich-Naumann-Stiftung für sein standhaftes "Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft".
In seiner Dankesrede erzählte der Schriftsteller die Añaño-Sage als Beleg dafür, dass Armut auch in Zeiten der Globalisierung besiegbar sei, wenn die Demokratie die politische wie die wirtschaftliche Freiheit achte. Mit Blick auf die Finanzkrise bekräftigte er seine Auffassung, dass der Staat mit Gesetzen für einen sauberen Wettbewerb sorgen muss, damit die Marktwirtschaft nicht in eine darwinistische Schlacht ausartet, in der die Freiheit der Wölfe den Tod aller Lämmer bedeutet, wie Isaiah Berlin es ausdrückte.
Eine gekürzte Fassung seiner Dankesrede finden Sie hier

Samstag, 8. November 2008

Welt-Literaturpreis für Hans Keilson

Rachel Salamander gratuliert dem fast 100jährigen Preisträger Hans Keilson zum "Welt-Literaturpreis" und ehrt den George-Biograf Laudator Thomas Karlauf."99 Jahre! Am 12. Dezember 1909 wurde Hans Keilson in Bad Freienwalde an der Oder als Sohn liberaler deutscher Juden geboren. Was geschah in diesem Jahr eigentlich sonst noch? Ernest Shackleton lokalisierte den magnetischen Südpol. Präsident Roosevelt - gemeint ist natürlich Theodore, nicht Franklin Delano - ging von New York aus auf Safari nach Afrika. Serbien anerkannte die Oberhoheit des Habsburger Reiches über Bosnien-Herzegowina. Eine Revolution zwang den damaligen Schah von Persien zur Abdankung. König Leopold II. von Belgien starb. Zwei Ortsnamen gibt es, die der Welt damals noch überhaupt nichts bedeuteten. Der erste von ihnen lautet: Sarajewo. Niemand, verehrter Hans Keilson, hätte sich träumen lassen, was dort nur fünf Jahre nach Ihrer Geburt, am 28. Juni 1914, geschehen würde; ein gewisser Franz Ferdinand wurde erschossen. Und Auschwitz, wo Ihre Eltern ermordet wurden - Auschwitz hieß damals noch Oswiecim und war ein unbedeutendes Städtchen an einer Bahnlinie in Westgalizien. Das Jahrhundert war sozusagen noch jung und unschuldig, als Hans Keilson geboren wurde. Wir wissen: Es blieb nicht dabei. Das Werk unseres diesjährigen WELT-Litaturpreisträgers handelt davon."

Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

FDP entschuldigt sich...
Gabi Huber hat sich anscheinend schriftlich bei Alt-Bundesrat...
anaximander - 5. Dez, 15:15
Sauhaufen SVP-Fraktion?
Die SVPler Bruno Zuppiger, Hansjörg Walter und...
anaximander - 5. Dez, 15:01
Buebetrickli der CVP
Sie haben einen Plan, die linken CVPler: Zusammen mit...
anaximander - 5. Dez, 13:42
Mörgeli-Mengele...
Im Streit um die Aussage von Bundespräsident Pascal...
anaximander - 5. Dez, 13:10
Glück ist ansteckend
Glück ist offenbar ein soziales Phänomen....
anaximander - 5. Dez, 12:38
Bremer Affen vor Bundesverfassungsgericht
Der Neurobiologe Andreas Kreiter wurde mit Versuchen...
anaximander - 5. Dez, 12:10
J. K. Rowlings Beedle-Märchen
Wieland Freund hat Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Begleitbuch.. .
anaximander - 5. Dez, 12:02
Ach je.
Aber wenn wir schon am Verteilen von Etiketten sind:...
rodino - 5. Dez, 09:37
Die Bundesversammlung
erinnert gefährlich an einen grölenden Verein...
anaximander - 5. Dez, 07:56
Größte Christenverfolgung...
Weltweit werden 250 Millionen Christen verfolgt. Jeder...
anaximander - 5. Dez, 07:56
Das war vor einem Jahr
Das Ende der Konkordanz wurde schon im letzten Jahr...
rodino - 5. Dez, 06:45
Das Ende der Konkordanz
Die Natels der Parlamentarier laufen heiß. Egerszegi...
anaximander - 4. Dez, 23:30
Wo?
Ich trage einen Hut - es regnet
anaximander - 4. Dez, 23:26
Zeit für
eine Revolution? - Eigentlich schon, wenn man bedenkt,...
anaximander - 4. Dez, 23:25
Aber bitte nur mit Kopftuch...
Aber bitte nur mit Kopftuch auftreten.
Gris-Gris - 4. Dez, 23:24
Yep, es
ist entsetzlich, wie Forschungsgelder verschleudert...
anaximander - 4. Dez, 23:23
Und morgen gibt es dann
Buttermarken, Brotmarken, Fleischmarken, Fernsehgutscheine,...
Gilbert-rgbm - 4. Dez, 22:58
Der war auch vorher schon...
Das Buch von Benz/Bermann, Vorurteil und Völkermord,...
Gilbert-rgbm - 4. Dez, 22:50
Ich bin doch
immer auf der Seite der Schwächeren...
anaximander - 4. Dez, 22:28
Jetzt mache ich dir dann...
Jetzt mache ich dir dann gleich ein Kompliment, anaximander....
Gris-Gris - 4. Dez, 20:53

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