Dankesrede von David Grossman
In seiner Dankesrede für den Geschwister-Scholl-Preis spricht der israelische Schriftsteller David Grossman von dem Gefühl der Kränkung, das die Shoah noch immer bei ihm auslöse und das Erkämpfen von Freiräumen, um sich davon zu lösen "Nicht, dass ich wirklich verstanden hätte, wie ein Mensch sich selbst so auslöschen kann, dass er Bestandteil einer Vernichtungsmaschine wird. Nicht, dass die militärische Besatzung enden würde, wenn ich ihre Untaten nur möglichst genau beschriebe. Doch meine innere Einstellung zu dem Unabänderlichen änderte sich dann. In dem Moment, wo ich zu schreiben begann, stand ich jedweder Willkür nicht mehr dort gegenüber, wo ich vor dem Schreiben verharrt war. In Situationen, die mir wie ewig, absolut und monolithisch vorgekommen waren, taten sich mir neue Nuancen auf. Ich erschuf mir eine gewisse Bewegungsfreiheit. Gegenüber dem Unabänderlichen, was mich vorher mit Angst und Verzweiflung gelähmt hatte, wurde ich frei. Ich war kein Opfer mehr."
anaximander - Di, 25.11.2008 11:27 - Kommentar verfassen
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