Alles wissenswerte über die Folgen der Nobelpreisverleihung an Herta Müller
findet sich hier. Auch die Reaktionen aus den USA.
Andrea Köhler ist
begeistert von der Entscheidung der Schwedischen Akademie in Stockholm und beschreibt Herta Müllers Literatur als Kampf gegen die Sprache der Diktatur unter Ceaucescu:
"Wo das Ganze die gegen jeden Einzelnen rabiat durchgesetzte Wirklichkeit ist, beginnt man in Einzelheiten zu leben. Und vielleicht kommt nur so, aus einem durch tausend Tode durchschrittenen Abstand zur verordneten Realität, eine Dichtung zustande, in der die Worte wieder wie Dinge sind, Dinge, die es in der Realität nicht gibt."
Ernest Wichner, Leiter des Literaturhauses Berlin,
würdigt Herta Müller aus sehr persönlicher Sicht. Er verfolgte mit, wie Müller ihr Projekt "Atemschaukel" zunächst mit Oskar Pastior begann, bevor sie es allein verwirklichen musste.
Jörg Magenau
beschreibt Müller jenseits ihres Rufs als "Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur" als eine Schriftstellerin, "die so kompromisslos wie keine andere die Existenzbedingungen im Zeitalter der Großideologien zur Sprache bringt - zu einer Sprache, in der all der Schrecken, den sie erlebte und den sie nicht loswerden kann, in poetischen Bildern aufgehoben ist".
Und Dirk Knipphals
muss seinen Senf auch dazu geben.
Wolfram Schütte
schreibt im Titel-Magazin: "Der berühmte Satz Faulkners in seiner Nobelpreisrede: 'Die Vergangenheit ist nicht tot; sie ist noch nicht einmal vergangen' könnte auch über Herta Müllers poetischer Aufarbeitung ihrer Lebenszeit in Rumänien als deren Motto stehen."
Als Entscheidung, die manchen Missgriff der letzten Jahre wiedergutmacht,
beschreibt Tilman Spreckelsen die Verleihung des Literaturnobelpreises an Herta Müller.
Felicitas von Lovenberg
sieht das Werk Müllers auch als Vorbild für weite Teile der deutschen Literatur: "Es funkelt dunkel und scharfkantig in eine Szenerie hinein, die ziemlich schicksalslos-locker ihre - im Vergleich zu ihr - doch kleineren Krisen- und Beziehungskreise abschreitet."
Nur Thomas Steinfeld
meckert; er hält die Nobelpreisträgerin Herta Müller zwar für eine gute Schriftstellerin, aber nicht für eine wirklich große.
"Es muss jetzt wohl sein, dass sich Leser und literarische Kritik bis auf weiteres von einer lieben Vorstellung trennen: dass der Nobelpreis für Literatur eine Belohnung für die besten Dichter und die besten Werke sei." Das grundsätzliche Problem, das er mit der Autorin hat, liegt in ihrer Beschränkung auf einen Ort (Banat), eine Zeit (die Diktatur), ein Thema (das Schreckliche): "Denn so, wie es eine Suche nach Schutz vor dem Schrecklichen gibt, so gibt es auch eine Suche nach Schutz im Schrecklichen. Daher kommt das Unerbittliche bei Herta Müller. Daher kommt auch das Eingeschränkte, fast Monomanische ihrer Literatur, das sie nicht zu einer wirklich großen Dichterin werden lässt."