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Pharma-Industrie

Montag, 14. Mai 2012

500 Tote dank Diabetes-Mittel Mediator

18 Monate nach dem Skandal um das Diabetes-Mittel Mediator, das von 1976 bis 2009 verschrieben und verkauft worden ist, steht der 90-jährige Chef des Pharmaunternehmens "Servier" vor Gericht. Das Medikament hat über 500 Todesfälle verursacht.
350 Betroffene fordern Schadensersatz von Servier. Sie werfen dem Unternehmen vor, dass die Gefahren durch das Medikament schon seit Jahren bekannt gewesen seien. Das Medikament hat den Wirkstoff Benfluorex enthalten.
    Benfluorex war ursprünglich als Lipidsenker zur Behandlung der Hypertriglyceridämie und zur Gewichtsreduktion beim Diabetes mellitus von Typ II in Frankreich und in weiteren Ländern zugelassen worden. Außerhalb der Indikation wurde Benfluorex häufig als Appetitzügler bei Nicht-Typ-II-Diabetikern eingesetzt. Spätestens mit der Beurteilung der Europäischen Arzneimittelagentur besteht für die Anwendung von Benfluorex keine medizinische Indikation mehr.
Aber eben, das kam viel zu spät. Die 500 bekannten Todesfälle dürften nur die Spitze eines Eisberges sein...

Montag, 13. Februar 2012

Gefundenes Fressen für die Pharma-Industrie

Der herrschende Schlankheitswahn macht auch vor Kindern von Zuckerkranken Müttern nicht Halt. In den USA haben Wissenschaftler festgestellt, dass Fettleibigkeit bei schwangeren Frauen sich langfristig negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken kann. Wenn man aber - und das ist der Clou - diese Kinder vorbeugend mit einem Diabetesmittel behandelt, könnte man den Nachwuchs davor bewahren, später ebenfalls an Fettleibigkeit zu leiden. Ein Versuch mit Mäusen hat gezeigt, dass das gewünschte Resultat eintrifft. Die Wissenschaftler behandelten normal ernährte Tiere, deren Mütter längere Zeit fettreich ernährt worden waren, kurzzeitig mit dem Medikament Pioglitazon. Das verringerte ihre Gewichtszunahme und normalisierte den Zucker- und Fettstofffwechsel, berichteten die Forscher auf der Jahrestagung der Society for Maternal-Fetal Medicine in Dallas.
    „Fettleibigkeit von Kindern beruht zum großen Teil auf einer krankhaften Programmierung während der Schwangerschaft“, sagte Egle Bytautiene von der University of Texas in Galveston. Wie den Betroffenen trotz einer solchen Vorbelastung geholfen werden kann, untersuchte ihr Forscherteam bei Mäusen. Dazu erhielten weibliche Tiere drei Monate vor und auch während der Schwangerschaft eine fettreiche Kost. Der Nachwuchs wurde mit einer Standardnahrung gefüttert. Im Alter von zehn Wochen behandelten die Forscher einen Teil der Tiere zwei Wochen lang einmal täglich mit dem Medikament Pioglitazon. Die anderen erhielten ein Placebo. Pioglitazon wird Patienten mit Diabetes vom Typ 2 verabreicht. Es bewirkt, dass die Zellen von Leber, Muskeln und Fettgewebe wieder stärker auf Insulin reagieren, wodurch der erhöhte Blutzuckerspiegel sinkt.
    Bei den mit dem Medikament behandelten Mäusen erhöhte sich das Körpergewicht im Vergleich zu den Kontrolltieren weniger stark. Es bildete sich auch weniger Bauchfett und der Blutzuckerspiegel blieb niedriger. Die Blutfettwerte sanken um 24 Prozent, während sie bei den Placebo-Mäusen um 15 Prozent stiegen. Dieses Ergebnis zeige, so Bytautiene, dass der kurzzeitige Einsatz eines Diabetes-Medikaments nach der Geburt die langfristigen gesundheitlichen Folgen mütterlicher Fettleibigkeit für die Kinder verhindern könnte.
Hauptsache schlank; die Nebenwirkungen von Pioglitazon sind wurst.
Quelle

Donnerstag, 26. Januar 2012

Vor neuen Antibiotika wird gewarnt

Toll, was die Pharma-Industrie da aus dem Hut zaubert: Antibiotika gewonnen aus chemisch hergestellten antimikrobiellen Peptiden - wer sie einsetzt, begünstigt das Infektionsrisiko durch resistente Bakterien.
    Im Rahmen der angeborenen Immunabwehr setzen Immunzellen kleine Eiweißmoleküle frei, die Mikroben abtöten. Solche sogenannten antimikrobiellen Peptide könnten auch chemisch hergestellt und als neuartige Antibiotika gegen Infektionen eingesetzt werden. Doch vor den möglichen Folgen dieser Strategie warnen jetzt britische Biologen. Sie konnten zeigen, dass Staphylokokken gegen einen derartigen Wirkstoff schnell resistent werden können. Einige Stämme der mutierten Mikroben waren dann auch resistent gegen ein vom menschlichen Immunsystem produziertes Peptid. Der therapeutische Einsatz solcher Hemmstoffe wäre daher mit großen Risiken verbunden, schreiben die Forscher im Fachblatt „Biology Letters”.
    „Aus unseren Resultaten ergeben sich schwerwiegende Bedenken wegen des langfristigen Risikos, das mit der Entwicklung und dem Einsatz von antimikrobiellen Peptiden verbunden ist“, erklären Michelle Habets und Michael Brockhurst von der University of Liverpool. Die Forscher simulierten die Entwicklung resistenter Bakterien im Labor. Dazu versetzten sie Flüssigkulturen von Staphylococcus aureus allmählich mit steigenden Mengen an Pexiganan, einem chemisch hergestellten antimikrobiellen Peptid. Schon nach kurzer Zeit vermehrten sich mutierte Bakterien, die gegen hohe Peptidkonzentrationen resistent waren.
    Einige dieser so erhaltenen Stämme wurden nun auch nicht mehr durch das von menschlichen Immunzellen gebildete Peptid Defensin-1 abgetötet. Diese Kreuzreaktion war umso erstaunlicher, als sich Pexiganan und das Defensin in ihren chemischen Strukturen und Wirkmechanismen unterscheiden. Würde ein Mittel wie Pexiganan in Krankenhäusern eingesetzt, könnten mit der Zeit resistente Bakterien entstehen, die auch von natürlichen antimikrobiellen Peptiden des angeborenen Immunsystems nicht mehr abgetötet werden. Kurzfristig wären die neuartigen Therapien mit synthetischen Peptiden vielleicht wirksam, so die Forscher. Langfristig aber könne diese Praxis katastrophale Konsequenzen haben, indem sie unsere normale Fähigkeit zur Abwehr von Infektionen schwächt.
    Pexiganan wurde nach dem Vorbild zweier Peptide hergestellt, die in der Haut von Fröschen vorkommen und gegen zahlreiche Arten von Bakterien wirksam sind. Das Mittel wird zurzeit zur Behandlung von Beingeschwüren bei Diabetikern erprobt. Viele Forscher unterschätzten die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung von Mikroben, die resistent gegen antimikrobielle Peptide sind. Und sollte es doch dazu kommen, so die Vermutung, wären die Mikroben in ihrer Vermehrung stark beeinträchtigt und würden langfristig keine Gefahr darstellen. Das ist falsch, wie die britischen Forscher beobachteten: In ihren Versuchen war das Wachstum der resistenten Staphylokokken nur vorübergehend geringer und normalisierte sich schnell wieder."
[ mehr ]

Mittwoch, 25. Januar 2012

Pharma und unerwünschte Forschungsergebnisse

Was wir hier schon lange fordern, fordert jetzt auch Sven Stockrahm, der so tut, als wäre es nicht schon seit Jahrzehnten bekannt, dass die Pharma-Industrie unerwünschte Forschungsergebnisse aus Feldversuchen unterschlägt oder zumindest unterdrückt. Es sieht fast so aus, als setze er sich nur zur Wehr für die Allgemeinheit, weil Tamiflu Roche Milliardengewinne beschert hat.
Gewiss, die geheimen Studien von Tom Jefferson haben Fakten ans Tageslicht gebracht, die überprüft werden müssen. Auch werden in Jeffersons Studie Vermutungen geäußert, die geklärt werden müssen.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Schlaftablette weckt Komapatienten auf

Silvia von der Weiden berichtet von der paradoxen Wirkung der Schlaftablette, die unter anderem unter dem Namen Stilnox vertrieben wird, Koma-Patienten verabreicht worden ist und diese weckten.
    Was steckt hinter dem Phänomen, das Ärzte staunen und Angehörige an ein medizinisches Wunder glauben lässt? Hinweise auf die paradoxe Wirkung des Schlafmittels lieferten geradezu unheimlich anmutende Vorfälle in den USA, wo das verschreibungspflichtige Mittel besonders oft verordnet wird. Dort häuften sich Berichte über seltsame „Nebenwirkungen“, vor allem Schlafwandeln.

Freitag, 18. November 2011

Avastin -FDA widerruft Zulassung

Die amerikanische Arzneimittelbehörde (FDA) widerrief am Freitag die im Jahr 2008 vorläufig erteilte Marktfreigabe für Avastin von Roche und zog damit einen Schlussstrich unter einen langandauernden Disput über den Einsatz von Roches Umsatzrenner bei Brustkrebs.
Avastin wird auch gegen Darm-, Lungen-, Hirn- und Nierenkrebs eingesetzt.
Die ganze Geschichte um Avastin finden Sie hier.

Samstag, 12. November 2011

Pradaxa forderte mehr Todesopfer als bekanntgegeben

Als Böhringer den neuen Blutverdünner auf den Markt brachte, war von einem "exzellenten" Medikament die Rede, von einer "Pionierleistung", der Überwindung von "Meilensteinen".
Jutta Hoffritz allerdings berichtet von einer Zunahme der Nebenwirkungen - und der Todesfälle unter Pradaxa:
    In Deutschland verstarben nach Auskunft des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte vier Pradaxa-Patienten an Blutungen. Laut Statistik der Europäischen Zulassungsbehörde Ema fielen weltweit insgesamt 256 Patienten inneren Blutungen zum Opfer, nachdem sie den Gerinnungshemmer eingenommen hatten. Das sind rund fünfmal mehr Fälle als der Konzern zunächst zugeben wollte: Boehringer selbst hatte zunächst öffentlich eine "Größenordnung" von 50 Toten weltweit eingeräumt.
Das Bescheissen der Patienten durch die Pharmakonzerne geht einfach viel zu weit. Die 256 Toten gehen auf Rechnung des Konkurrenzkampfes zwischen Bayer (Xarelto) und Böhringer (Pradaxa). Während Xarelto nur für Hüftgelenk- und Knieersatz zugelassen ist, konnte Pradaxa, dank eines Lügengebäudes für alles und jedes eingesetzt werden.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Empörung über Stellenabbau bei Novartis

Novartis hat den Abbau von 2000 Stellen angekündigt. In Nyon und Basel werden ungefähr 1000 Stellen abgebaut. Man reagiert beunruhigt und empört.

Dienstag, 26. April 2011

Sofortiger Grippeschutz dank GM-CSF

Das wird weder Impfstoffhersteller noch Grippemittel-Vertreiber freuen:
"Aktivierte Immunzellen im Lungengewebe können vor einer Grippeinfektion schützen. Das zeigen amerikanische Forscher mit eindrucksvollen Ergebnissen aus Tierversuchen. Der Einsatz eines speziellen Botenstoffs sorgte in Experimenten mit Mäusen für eine erhöhte Zahl von Immunzellen in der Lunge: Der Wachstumsfaktor GM-CSF verhinderte effektiv den ansonsten tödlichen Verlauf einer nachfolgenden Infektion mit Influenzaviren. Im Gegensatz zu einer Impfung wäre eine solche Therapie sehr schnell und wahrscheinlich gegen alle Typen von Grippeviren wirksam, schreiben die Forscher im "American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" (doi: 10.1164/rccm.201012-2036OC). Das Mittel könnte durch Inhalation verabreicht werden und auch nach bereits erfolgter Infektion den Krankheitsverlauf zumindest noch abmildern. [ weiter ]

Samstag, 12. Februar 2011

Roaccutan macht Roche schwer zu schaffen

Peter Burkhardt berichtet von einer Prozesslawine, die auf den Pharmariesen Roche, ausgelöst vom Akne-Medikament Roaccutan, das in den USA unter dem Namen Accutane vertrieben worden ist, zukommt.
    Laut dem Geschäftsbericht, den der Konzern vor einer Woche veröffentlicht hat, reichten bis Ende Jahr allein in den USA 2422 Patienten Klage ein. Dort wurde das Medikament unter dem Namen Accutane verkauft. Hinzu kommt eine nicht genannte Zahl von Klagen in weiteren Ländern.

    Die geforderten Summen sind horrend und könnten für Roche zum Albtraum werden. Rechtsanwalt Mike Hook aus Florida, der den Hauptteil der Accutane-Kläger vertritt, sagt: «Ich repräsentiere über 2500 Kunden und werde in diesem Jahr über 1000 weitere Klagen gegen Roche einreichen. Pro Fall verlangen wir eine Schadenersatzsumme von durchschnittlich über zehn Millionen Dollar. Der potenzielle Schaden für alle Fälle beträgt also über 35 Milliarden Dollar.

Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

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