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Philosophie

Montag, 1. Dezember 2008

Feier für Claude Lévi-Strauss

Unter dem Titel "100 Jahre Einsamkeit" berichtet Martina Meister von der großen Party der Pariser Kultur-Hautevolee zu Claude Levi-Strauss 100. Geburtstag im Musee du Quai Branly.

Freitag, 28. November 2008

Claude Lévi-Strauss zum 100.

Der Ethnologe Thomas Reinhardt würdigt seinen großen Kollegen Claude Levi-Strauss, der heute hundert Jahre alt wird."Wie wenige andere Ethnologen hat Lévi-Strauss es verstanden, ein Werk zu schaffen, das auch außerhalb der Fachgrenzen seiner Heimatdisziplin eine enorme Wirkung entfaltete. Das überrascht umso mehr, als ihm dies ohne ersichtliche Zugeständnisse an die Lesebedürfnisse eines Massenpublikums gelang. Seine Texte sind dicht, sie sind komplex, und sie sind sprachlich in einer Weise durchstilisiert, die sich gegen alle Versuche einer flüchtigen Lektüre erfolgreich sperrt. Dennoch traf Lévi-Strauss offensichtlich exakt den Nerv der Zeit und schaffte es, einer ganzen Dekade seinen - strukturalistischen - Stempel aufzudrücken."
Auch Johannes Wetzel gratuliert Claude Levi-Strauss, den er als "konservativen Revolutionär" bezeichnet, zum Hundertsten."In diesen Wochen dürfte in Frankreich die Zahl derer, für die Lévi-Strauss auch ein Buchautor ist, zugenommen haben. Eine Auswahl seiner Werke erschien soeben in der Klassiker-Edition "La Pléiade" - ein Denkmal zu Lebzeiten. Die Medien versuchen, sein kompliziertes Werk zu vermitteln, und das Pariser Völkerkundemuseum feiert aufwändig den 100. Geburtstag des "bedeutendsten lebenden Ethnologen"."

Freitag, 14. November 2008

Die Heimat der Gier

"Banker aller Länder – seid habgierig!" fordert der Göttinger Soziologe Wolfgang Sofsky. Die Habgier - nicht der Kapitalismus - ist die Triebfeder des Fortschritts."...Erst die Religion verdammte die Habgier. Wucher- und Zinsverbot, Geldskepsis und Besitzneid bestimmten die klerikale Kritik am Reichtum auf Erden. Das Christentum machte Armut und Askese zur Herzensangelegenheit. Gegen den Prunk der Kirche und die Pracht der Paläste protestierten Bettelorden, Häretiker, Reformatoren und Revolutionäre.
Kein Genuss sollte von Gott ablenken, kein Besitzglück das Gebot der Nächstenliebe verletzen. Vorsorge war Teufelei, denn sie misstraute der göttlichen Gnade. Dem einzelnen billigte man nur so viel zu, wie er zum Leben benötigte. Was das Maß überschritt, war Sünde."
Die Habgier blieb der Kirche vorbehalten...
Sofsky kommt zum Schluss"Gegen die Raserei menschlicher Gier erklärte der Staat die Habsucht zur Dienstsache. Aber nichts ist gefräßiger als das Ungeheuer Leviathan. Es erstickt nicht – wie einst der närrische König – in Geld und Gold, sondern unterhält Heerscharen von arglosen Dienern, deren einzige Aufgabe darin besteht, das Ungetüm zu nähren und seinen Stoffwechsel in Gang zu halten. Kein gnädiger Gott wird sie von dieser Torheit je erlösen."Nicht wahr, Peer Steinbrück?

Mittwoch, 5. November 2008

Was bleibt von Niklas Luhmann

Vor zehn Jahren ist Niklas Luhmann gestorben. Thomas Lindemann besuchte die Lebens- und Wirkstätten des von vielen verehrten Soziologen und versucht zu erfassen, was von ihm bleibt."Luhmanns Theorie ist Magie. Sie jongliert mit einem kleinen, genau bestimmten Satz von Grundbegriffen - wie Sinn, System, Umwelt, Kommunikation - und bietet eine scharfe und kalte Sicht der modernen Gesellschaft. Ihre zwei Grundideen: Sozialsysteme bestehen aus Kommunikationen, nicht etwa aus Menschen oder deren Taten. (Der Einzelmensch also ist für die Gesellschaft unbedeutend.) Und die Gesellschaft zerfällt in Untersysteme wie Recht, Wirtschaft oder Kunst, die autonom funktionieren und von außen kaum steuerbar sind.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass das jetzt wieder viele interessiert. Den Zusammenbruch des Finanzsystems hätte Luhmann leicht durchleuchtet: Innerhalb der Wirtschaft, sagt er, gibt es nur ein Medium der Kommunikation, das ist die Frage nach "Profit oder nicht Profit". Für alles andere - ob Moral, die Not Arbeitsloser oder das Klima - ist die Wirtschaft blind. Deshalb kann sie danach auch niemals handeln. Punkt."

Samstag, 4. Oktober 2008

Die Gattung Mensch

Philosoph Werner Becker verteidigt unter dem Titel "Vom Wunder der Freiheit" den Begriff des Individuums und - dem Himmel sei Dank - dessen Einzigartigkeit, um zu veranschaulichen, dass man den Menschen nicht nur als biologisches Wesen definieren darf. Mit dem Begriff des Individuums nämlich kann durchaus auch ein Tier gemeint sein..."In allen westlichen Verfassungen sind die Grundrechte Rechte der Person, personale Rechte der Bürger. Auch denkt man sie sich stets als aus einer «höchsten» universalen Rechtsinstanz, den Menschenrechten, abgeleitet. Die berühmten Vorbilder sind die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1776 und die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der ersten Französischen Republik von 1789. Damit hielt jedoch ein überaus problematisches Konzept ins Verfassungsrecht Einzug. Sind beide «Erklärungen» doch religiöse Bekenntnisse in einem spezifischen Sinn. Die Konfession der Amerikaner lautet: «Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind.» Kaum anders bekannten es die Väter der französischen Verfassung: «Die Nationalversammlung erkennt und erklärt in Gegenwart und unter dem Schutze des Allerhöchsten folgende Menschen- und Bürgerrechte: Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.»"

Freitag, 15. August 2008

Glucksmann und Levy zu Georgien

Andre Glucksmann und Bernard-Henri Levy haben gemeinsam einen Artikel über Georgien und die Haltung der Europäer geschrieben. Es gehe jetzt um ein Europa, das sich klar gegen Russland positionieren müsse, schreiben sie. Es ist, als ob die beiden abseits der Realität in ihrem Elfenbeinturm lebten; sie haben noch nicht erkannt, dass die Energieversorgung Europas in russischer Hand ist und dass die europäische Wirtschaft in die Rezession steuert und damit voll am Tropf des russischen Aufschwungs hängt.
"Europa, das einst gegen den Eisernen Vorhang gebaut wurde, gegen den Faschismus von einst und jetzt, gegen seine eigenen Kolonialkriege, Europa, das den Mauerfall und die Samtene Revolution gefeiert hat, befindet sich am Rande des Komas. 1945-2008..."Da haben die beiden natürlich Recht. Theoretisch.

Freitag, 18. Juli 2008

Vom Verschwinden der Automobile

Der Philosoph, Architekt und Hochgeschwindigkeitsgegner Paul Virilio sieht das Ende des motorisierten Individualverkehrs für gekommen. Hansgeorg Hermann erklärt, warum."Virilios abschätziges Urteil über die Verkehrspolitik der großen europäischen Städte - Kosmetik und Zeitverschwendung - bestätigt sich den Bürgern seines Anschauungsobjekts Paris täglich. Die neuen Busspuren werden in fast allen Stadtvierteln regelmäßig von anliefernden Lastwagen verstellt, der Individualverkehr quillt wie eh und je aus engen Wohnstraßen in die großen Boulevards und verstopft nicht nur die Fahrbahnen, sondern mit Abgasen und Lärm auch die Sinnesorgane der Hauptstädter. Die Klage der Zeitung „La Manche Libre“ über den Unfalltod der jungen Autofahrer auf neuen breiten Straßen scheint zudem Virilios andere These zu bestätigen - dass Rasen den Blickwinkel des Menschen in jeder Beziehung dramatisch verengt."
Paul Virilio ist ein erklärter Anhänger der Langsamkeit. Ob er letztere in seinem täglichen Leben umsetzen kann, ist von hier aus schwe zu sagen.

Samstag, 14. Juni 2008

Peter Sloterdijk und die Wurzeln des Fußballspiel

Dass Menschen spielen, exakter Fussball, Tennis oder Bowling spielen, liegt, wenn wir Sloterdijks improvisiertem Vortrag folgen, daran "Der neuzeitliche Mensch muss mit dem spielen, was mit ihm spielt, und die größte aller Kugeln, die mit uns spielt, ist die Erde selbst. Das ist der tiefere Sinn aller Globalisierung: Die Moderne ist wesenhaft Globuszeit. Die neue Kugel taucht im 16. Jahrhundert nicht mehr nur als imperiales Kosmos-Symbol auf der Hand des Kaisers auf (wie der alte Reichsapfel), man sieht jetzt Könige, die ihre Hand auf den Erdglobus legen. Dieses Spiel mit einem Ball, den man nie festhalten kann, ist das eigentliche Kugelspiel der Moderne. Der moderne Fussball, mit seiner Faszination durch das rollende Objekt, ist ein Fortuna-Kult typisch moderner Art. Der Ball steht für eine Ungerechtigkeit, die wir nicht entbehren wollen: die Ungerechtigkeit des Glücks."

Montag, 5. Mai 2008

Houellebecqs Elementarweilchen

Am Sonntag traf der Schriftsteller Michel Houellebecq zu einem Blitzbesuch in der Frankfurter Schirn ein, wo er im Rahmen der Ausstellung „All Inclusive“ mit dem Soziologen Rachid Amirou über Tourismus diskutieren sollte. Das Gespräch implodierte sogleich.

Dienstag, 1. April 2008

Jürgen Habermas - Die Dialektik der Säkularisierung

Jürgen Habermas nimmt zu Islamisierung und Säkularisierung Stellung."Der wissenschaftlich-technische Fortschritt fördert erstens ein anthropozentrisches Verständnis der „entzauberten“, weil kausal erklärbaren Weltzusammenhänge; und ein wissenschaftlich aufgeklärtes Bewusstsein lässt sich nicht ohne weiteres mit theozentrischen oder metaphysischen Weltbildern vereinbaren. Zweitens verlieren die Kirchen und Religionsgemeinschaften im Zuge der funktionalen Ausdifferenzierung gesellschaftlicher Subsysteme den Zugriff auf Recht, Politik und öffentliche Wohlfahrt, Kultur, Erziehung und Wissenschaft; sie beschränken sich auf ihre genuine Funktion der Verwaltung von Heilsgütern, machen die Religionsausübung mehr oder weniger zur Privatsache und büßen generell an öffentlicher Bedeutung ein. Schließlich hat die Entwicklung von agrarischen zu industriellen und postindustriellen Gesellschaften allgemein ein höheres Wohlstandsniveau und zunehmende soziale Sicherheit zur Folge; mit der Entlastung von Lebensrisiken und wachsender existenzieller Sicherheit schwindet für den Einzelnen das Bedürfnis nach einer Praxis, die unbeherrschte Kontingenzen durch die Kommunikation mit einer „jenseitigen“ bzw. kosmischen Macht zu bewältigen verspricht"
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Wer suchet, der...

 

Reden & Widerreden

FDP entschuldigt sich...
Gabi Huber hat sich anscheinend schriftlich bei Alt-Bundesrat...
anaximander - 5. Dez, 15:15
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Sie haben einen Plan, die linken CVPler: Zusammen mit...
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Im Streit um die Aussage von Bundespräsident Pascal...
anaximander - 5. Dez, 13:10
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Glück ist offenbar ein soziales Phänomen....
anaximander - 5. Dez, 12:38
Bremer Affen vor Bundesverfassungsgericht
Der Neurobiologe Andreas Kreiter wurde mit Versuchen...
anaximander - 5. Dez, 12:10
J. K. Rowlings Beedle-Märchen
Wieland Freund hat Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Begleitbuch.. .
anaximander - 5. Dez, 12:02
Ach je.
Aber wenn wir schon am Verteilen von Etiketten sind:...
rodino - 5. Dez, 09:37
Die Bundesversammlung
erinnert gefährlich an einen grölenden Verein...
anaximander - 5. Dez, 07:56
Größte Christenverfolgung...
Weltweit werden 250 Millionen Christen verfolgt. Jeder...
anaximander - 5. Dez, 07:56
Das war vor einem Jahr
Das Ende der Konkordanz wurde schon im letzten Jahr...
rodino - 5. Dez, 06:45
Das Ende der Konkordanz
Die Natels der Parlamentarier laufen heiß. Egerszegi...
anaximander - 4. Dez, 23:30
Wo?
Ich trage einen Hut - es regnet
anaximander - 4. Dez, 23:26
Zeit für
eine Revolution? - Eigentlich schon, wenn man bedenkt,...
anaximander - 4. Dez, 23:25
Aber bitte nur mit Kopftuch...
Aber bitte nur mit Kopftuch auftreten.
Gris-Gris - 4. Dez, 23:24
Yep, es
ist entsetzlich, wie Forschungsgelder verschleudert...
anaximander - 4. Dez, 23:23
Und morgen gibt es dann
Buttermarken, Brotmarken, Fleischmarken, Fernsehgutscheine,...
Gilbert-rgbm - 4. Dez, 22:58
Der war auch vorher schon...
Das Buch von Benz/Bermann, Vorurteil und Völkermord,...
Gilbert-rgbm - 4. Dez, 22:50
Ich bin doch
immer auf der Seite der Schwächeren...
anaximander - 4. Dez, 22:28
Jetzt mache ich dir dann...
Jetzt mache ich dir dann gleich ein Kompliment, anaximander....
Gris-Gris - 4. Dez, 20:53

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