Zuppigers Erbsünde interessiert uns nur mäßig; was uns interessiert, ist die eigentliche Strategie der SVP, die sich hinter der Kandidatur Zuppiger versteckt. Die SVP hat damit rechnen müssen, dass der "Betrugsversuch" an die Öffentlichkeit gezerrt werden und die Kandidatur Zuppiger ins Wasser fallen würde. Jean-François Rime bleibt als Kandidat erhalten, obwohl seine Wahlchancen nicht gerade riesig sind.
Nun fragt man sich logischerweise, was der Zweck der Übung Zuppiger sein könnte. Des Rätsels Lösung ist so schwer nicht: die linken Parteien BDP, CVP, GrünLiberale, SP und Grüne haben sich für eine Allianz entschieden, während die SVP allein da steht, weil die FDP immer noch sauer auf den Erfolg der Schwesterpartei ist und in trotziger Abwehr erstarrt immer mehr Verluste hinnehmen muss.
Ein kluger Schachzug der SVP bestünde darin, die FDP-Bundesratssitze
nicht anzugreifen. Eine Allianz aus SVP und FDP könnte den Linken Paroli bieten - und das wissen die führenden Köpfe der SVP mit Sicherheit besser als wir. Die einzige Chance der SVP doch noch einen zweiten Bundesratssitz zu erobern, besteht in einem Angriff auf Widmer-Schlumpf, die aber von den Linken im Sattel gehalten wird und danach gegen die SP anzutreten, was nicht erfolgversprechend ist, aber ein starkes Zeichen setzen würde.
Die Schweiz braucht dringend ein starkes bürgerliches Bündnis, das die Linken in die Schranken weist. Und das weiß auch die SVP.